Warum Elon Musks Griff nach Twitter so gefährlich ist

Schon jetzt fördern Soziale Medien Hass und Spaltung. Elon Musk wird diese Probleme als Twitter-Chef verschärfen. Fünf Thesen, warum uns das alle sorgen sollte.

Warum Elon Musks Griff nach Twitter so gefährlich ist
Bild: KI-generiert

Warum dieser Essay zählt

„Der Vogel ist befreit“, twittert Elon Musk, nachdem er Twitter für 44 Milliarden Dollar übernommen hat. Was er unter Freiheit versteht, zeigt er sofort: die Freiheit, einen Großteil der Mitarbeitenden zu entlassen. Die Freiheit, alles zu sagen, was denkbar ist. Die Freiheit, rechtsextreme Accounts wieder zuzulassen. Und die Freiheit, zweifelhafte Verschwörungserzählungen selbst zu teilen. Der reichste Mann der Welt macht aus einem digitalen Marktplatz ein persönliches Megafon. Das ist nicht nur sein Problem. Das ist ein Problem für die westlichen Gesellschaften.

Fünf Thesen

Erstens: Musks Verständnis von Meinungsfreiheit ist verzerrt. Wer gezielt Verschwörungserzählungen verbreitet, wie im Fall des Angriffs auf Nancy Pelosis Ehemann, befreit nicht die Debatte, sondern verschiebt ihren Maßstab. Zweitens: Die Demokratie braucht offene Debattenräume, aber nicht algorithmisch angefeuerte Empörungsmaschinen. Twitter war schon vor Musk nicht perfekt. Unter ihm wird es schlechter.

Das ökonomische Problem

Drittens: Musks Geschäftsmodell ist unklar. 44 Milliarden Dollar für eine Plattform, die traditionelles Werbegeschäft verliert, weil Konzerne nicht neben Hass-Inhalten stehen wollen. Viertens: Wenn Medien abwandern, verliert Twitter seine journalistische Funktion als schnelle Informationsquelle. Zurück bleibt ein kleineres, lauteres, toxischeres Netzwerk. Das Beispiel Telegram zeigt, wohin dieser Pfad führen kann.

Was jetzt folgen muss

Fünftens: Plattform-Regulierung ist kein Luxus, sondern Notwendigkeit. Der Digital Services Act der EU ist ein Anfang, aber nur ein Anfang. Die USA haben bisher keinen vergleichbaren Rahmen. Dabei läuft ein historisches Experiment: Kann ein einzelner Milliardär eine globale Kommunikations-Infrastruktur übernehmen und nach Belieben umgestalten? Die Antwort sollte nicht allein in den Händen von Musk liegen. Und Mastodon, Bluesky und andere Alternativen zeigen, dass es auch anders geht.

Die ganze Geschichte habe ich zusammen mit Sven Prange für das Handelsblatt aufgeschrieben. Hier bekommen Sie einen ersten Eindruck.

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