Er will die Iris von acht Milliarden Menschen scannen: Die bizarren Pläne des ChatGPT-Erfinders
Identitätsnachweis, Kryptowährung, Grundeinkommen – das neue Projekt von Sam Altman will vieles sein. Im Mittelpunkt: Ein Iris-Scanner – und viele offene Fragen zum Datenschutz.

Warum dieser Artikel zählt
Eine silberne Kugel, so groß wie eine Bowlingkugel, scannt Augäpfel. Die Gäste eines Cafés in San Francisco bleiben stehen und staunen. „Was ist das denn?“ Selbst im technikgläubigen Silicon Valley wirkt die Idee bizarr. Hinter der Kugel, genannt „Orb“, steht Sam Altman – der Mann, der mit ChatGPT den KI-Boom ausgelöst hat. Sein neues Projekt Worldcoin will die Iris von acht Milliarden Menschen erfassen und auf dieser Basis eine Weltwährung und ein bedingungsloses Grundeinkommen aufbauen.
Die Geschichte der Kugel
Der Orb wiegt 2,8 Kilogramm, sieht aus wie eine Miniversion des Todessterns aus „Star Wars“ und verbirgt hochauflösende Kameras und Sensoren. Zwanzig Sekunden dauert der Scan, dann leuchtet ein Ring, und die Identität eines Menschen ist weltweit eindeutig registriert. Bereits über zwei Millionen Menschen haben sich auf das Projekt eingelassen. Miterfinder ist der Jungunternehmer Alex Blania aus Bayern, der das Projekt gemeinsam mit Altman vorantreibt.
Das Versprechen und das Risiko
Der Gedanke dahinter: Wenn KI-Systeme bald Menschen täuschend echt imitieren, braucht das Internet einen Nachweis, dass auf der anderen Seite tatsächlich ein Mensch sitzt – und dass dieser Mensch nur einmal existiert. Gleichzeitig soll jede registrierte Person ein Startkapital in Worldcoins erhalten, dem hauseigenen Krypto-Token. Langfristiges Ziel: ein bedingungsloses Grundeinkommen, finanziert durch die wirtschaftliche Produktivität der KI. Altman denkt in Dimensionen, die sonst eher aus Science-Fiction-Romanen stammen.
Was Aufsichtsbehörden sagen
Deutschland gehört zu den Ländern, in denen Worldcoin früh gestartet ist. Die Bayerische Datenschutzbehörde hat Prüfungen eingeleitet, die Finanzaufsicht BaFin sieht offene Fragen. Biometrische Daten in dieser Größenordnung und unter privater Kontrolle gibt es historisch noch nicht. Altmans Team sagt: Die Iris-Bilder werden nach dem Scan gelöscht, gespeichert wird nur ein mathematischer Hash-Wert. Kritiker zweifeln daran. Die Debatte um Worldcoin wird in den nächsten Jahren weitergehen – sie ist zum Testfall für das geworden, was im KI-Zeitalter digitaler Identität möglich sein darf.
Den vollständigen Text habe ich für das Handelsblatt geschrieben. Hier bekommen Sie einen ersten Eindruck.