Leiser als früher, aber innovativ wie in alten Zeiten: Microsoft erfindet sich neu
Vor Jahren war er totgesagt worden, doch heute entstehen beim Windows-Konzern mit die wichtigsten Zukunftstechnologien der Welt. Zu Besuch im Forschungslabor Building 99.

Warum dieser Artikel zählt
Microsoft galt vor wenigen Jahren als abgehängt: das Mobilfunkzeitalter verschlafen, Windows ausgereizt, die Innovationskraft erschöpft. Der Blick auf das Forschungsgebäude „Building 99“ in Redmond zeigt ein anderes Bild. Hier entstehen einige der wichtigsten Zukunftstechnologien der Welt – leise, aber konsequent. Ein Pavillon aus 895 3D-gedruckten Knoten und 1.274 Glasfaserstäben empfängt Besucherinnen und Besucher im Foyer. Eine KI steuert seine Farben anhand der Stimmung der Menschen im Raum. Ein Symbol für einen Konzern, der sich selbst neu erfindet.
Der Mann im Hintergrund
Satya Nadella hat 2014 den CEO-Posten übernommen, Windows radikal umgebaut, viele Mitarbeitende entlassen und den Fokus auf Cloud und Enterprise-Software verschoben. Der Erfolg gibt ihm recht. Azure ist heute die zweitgrößte Cloud-Plattform der Welt, Teams wurde während der Pandemie unverzichtbar für Millionen Unternehmen. Und hinter all dem arbeitet Microsoft Research an Technologien, die erst in fünf bis zehn Jahren marktreif werden.
Was im Building 99 entsteht
Johannes Gehrke, Direktor bei Microsoft Research, sagt: „Ich denke an die größten Probleme unserer Welt und glaube, dass Technologie und Wissenschaft die Antworten darauf bieten.“ Klimawandel, Gesundheit, Bildung. Das klingt überambitioniert, ist aber durch konkrete Projekte unterlegt: Quantencomputing, neue Materialien für Chip-Kühlung, KI-gestützte Diagnostik, Robotik für Produktionsstraßen. Microsoft investiert Milliarden in Forschung, die nicht den nächsten Quartalsbericht retten soll, sondern die nächste Generation der Wirtschaft mitformt.
Der leise Konzern
Was Microsoft von Meta oder Tesla unterscheidet: Der Konzern spricht seltener über sich. Keine Keynote-Flughafenschläuche, keine Elon-Musk-Tweets, keine Mark-Zuckerberg-Metaverse-Videos. Der Konzern liefert Infrastruktur, oft unsichtbar, aber verlässlich. Diese Haltung ist Nadellas Handschrift. Und genau darin liegt die eigentliche Überraschung: Der wertvollste Softwarekonzern der Welt ist plötzlich wieder derjenige, der technologisch am weitesten denkt – und am wenigsten davon in Pressemitteilungen gießt.
Den vollständigen Text habe ich für das Handelsblatt geschrieben. Hier bekommen Sie einen ersten Eindruck.