Zwei Wochen im Taxi ohne Fahrer: Das Robo-Auto funktioniert, aber es bricht die Verkehrsregeln
Die Google-Tochter Waymo darf Fahrgäste in San Francisco nun autonom befördern – ein weltweites Novum. Doch das Angebot hat noch einige Tücken.

Warum dieser Artikel zählt
San Francisco ist seit August 2023 die erste Großstadt der Welt, in der kommerzielle Robotaxidienste ohne Sicherheitsfahrerin und ohne Sicherheitsfahrer unterwegs sind. Waymo, die Google-Tochter, und Cruise, ein Ableger von General Motors, haben eine Freigabe bekommen, die einige Jahre lang undenkbar schien. Für den Selbstversuch habe ich mich zwei Wochen lang von diesen Autos durch die Stadt chauffieren lassen. Zwölf Fahrten, viele Einsichten. Die wichtigste: Es funktioniert. Aber es ist auch unangenehm.
Wie es sich anfühlt
„Hallo Stephan“ begrüßt mich das Robotaxi. Auf dem Display erscheinen Name und Ziel. Der Fahrersitz ist leer, das Lenkrad dreht sich wie von Geisterhand. Nach zwei Fahrten gewöhnt man sich daran, nach fünf genießt man es. Die Autos fahren vorsichtig, halten Abstand, bremsen eher zu früh als zu spät. Sie verhalten sich wie eine nervöse Fahrschülerin im ersten Monat – und das macht sie im dichten Stadtverkehr von San Francisco berechenbar.
Wo es knirscht
Interessant sind die Ausnahmen. Mein Waymo hat einmal die durchgezogene Linie überfahren, um einem Baustellenschild auszuweichen. Ein anderes Mal hat es eine Einbahnstraße falsch gedeutet. Beides Situationen, in denen eine Fahrerin reflexhaft anders entschieden hätte. Die Systeme lernen dazu, aber sie sind nicht fehlerfrei. Und die Frage ist, ob die Gesellschaft mit einem System leben will, das weniger Unfälle verursacht als Menschen, dafür aber andere.
Die größere Geschichte
Hinter Waymo steht eine dieser Silicon-Valley-Wetten, für die das Tal berühmt ist. Sebastian Thrun, der Deutsche, der bei Google das X-Labor aufbaute, hat die Forschung zum autonomen Fahren früh gestartet. Aus diesem Labor ist Waymo geworden, plus Projekte zu Internetballons, Windkraft-Drachen und Quantencomputing. Nicht alles hat funktioniert. Das Robotaxi aber scheint jetzt, 14 Jahre später, auf dem Markt anzukommen. Was das für Städte wie Berlin oder München bedeutet, hängt weniger an der Technik als an der Regulierung.
Den vollständigen Text habe ich für das Handelsblatt geschrieben. Hier bekommen Sie einen ersten Eindruck.