Aktienkurs in neun Jahren vervielfacht: Microsofts beeindruckende Transformation
Microsoft hat einen Weg aus einem Dilemma gefunden, das fast alle innovativen Konzerne irgendwann lähmt. Der Erfolg hat mit KI zu tun – und einem besonderen Chef.

Warum dieser Artikel zählt
Microsoft galt lange als der Konzern, der an seiner eigenen Größe zu ersticken drohte. Das Mobilfunkzeitalter verschlafen, Windows ausgereizt, die Kultur verknöchert. Neun Jahre später steht das Unternehmen bei fast 2,5 Billionen Dollar Marktwert und liefert mit dem KI-Assistenten Copilot den sichtbarsten Erfolg der aktuellen Tech-Welle. Kaum ein Turnaround ist so gründlich gelungen – und fast alle Spuren führen zu einem Mann: Satya Nadella.
Der Hebel: Growth Mindset
Als Nadella im Februar 2014 übernahm, war Microsofts interne Kultur von Ballmers Aggressivität geprägt. Nadella brachte einen anderen Ansatz mit: „Growth Mindset“, ein Prinzip der Psychologieprofessorin Carol Dweck. Immer bereit sein, Annahmen zu hinterfragen. Immer lernen. Nadella hat das zum Führungsgrundsatz erhoben und seinen Managerinnen und Managern verordnet.
Was Zain damit zu tun hat
Eine Schlüsselrolle in seiner Haltung spielt sein Sohn Zain, der mit einer schweren Hirnschädigung geboren wurde und im Februar 2022 mit 26 Jahren starb. Nadella hat öffentlich darüber gesprochen, wie die Erfahrung seines Sohnes seinen Führungsstil geprägt hat. „Die Tatsache, dass ich Vater eines Sohnes mit besonderen Bedürfnissen bin, hat meine persönliche Leidenschaft und Philosophie geprägt.“
Die Wette, die alles veränderte
Der größte Beweis für das Growth Mindset kam kurz nach Zains Tod: die Partnerschaft mit OpenAI. Microsoft hatte eine eigene Forschungsabteilung, die an ähnlichen Modellen arbeitete – und setzte trotzdem auf ein kleines Start-up aus San Francisco. Die Wette ging auf, ChatGPT wurde zur schnellsten Adoption einer Konsumenten-App der Geschichte, Microsofts Azure-Cloud profitiert massiv. Aber sie ist nicht risikofrei: OpenAI ist als Partner unberechenbar, und Microsoft hängt mit seinem wichtigsten KI-Versprechen an einer Firma, die es nicht kontrolliert.
Die ganze Geschichte habe ich zusammen mit Christof Kerkmann für das Handelsblatt aufgeschrieben. Hier bekommen Sie einen ersten Eindruck.