Sichere Kommunikation – wie Sie vertraulich Kontakt aufnehmen

Die wichtigsten Geschichten beruhen auf Vertrauen. Wer mir sensible Hinweise geben will, findet hier eine Übersicht der Kanäle – gestuft nach Sensibilität, mit ehrlicher Einschätzung, was 2026 noch trägt und was nicht.

Sichere Kommunikation – wie Sie vertraulich Kontakt aufnehmen
Bild: KI-generiertes Symbolbild

Aktualisiert am 20. April 2026. Der Text stammt im Kern aus dem Oktober 2019. Die technischen Empfehlungen habe ich an den heutigen Stand angepasst – Signal ist inzwischen flächendeckend verbreitet, Metadaten sind stärker in den Fokus gerückt, einige Dienste sind weggefallen, andere dazugekommen. Die zugrundeliegenden Überlegungen sind geblieben.

Warum diese Seite existiert

Als Journalist lebe ich davon, dass Menschen mir Dinge erzählen, die sie sonst niemandem erzählen können. Firmeninterne Vorgänge, politische Fehlentscheidungen, Hinweise auf Missstände. Ohne diesen Vertrauensvorschuss entstehen keine wichtigen Geschichten. Ich habe mehrfach Recherchen nicht veröffentlicht, weil die Identifikation einer Quelle – auch nach Anonymisierung – nicht ausgeschlossen werden konnte. Quellenschutz geht für mich vor der Geschichte.

Der Telekom-Überwachungsskandal – warum diese Frage nicht theoretisch ist

Wie verletzlich journalistische Kommunikation in Deutschland ist, hat der Telekom-Überwachungsskandal gezeigt, der ab 2008 öffentlich wurde. Der Konzern ließ über Monate systematisch Telefon-Verbindungsdaten auswerten – ausdrücklich auch von Journalistinnen und Journalisten. Ziel war es, herauszufinden, wer in der Telekom interne Informationen an die Presse weitergab. Insgesamt waren nach Angaben des Unternehmens rund 50 Personen betroffen: Mitglieder des Aufsichtsrats, Medienschaffende, Kontaktpersonen. Auch Kolleginnen und Kollegen aus unserem Haus, dem Handelsblatt, gehörten dazu.

Ein damaliger Redakteur des Magazins Capital, Reinhard Kowalewsky, wurde nach der Aufdeckung offen darüber zum Chronisten des Skandals – seine Telefonkontakte waren rund ein Jahr lang überwacht worden. Der ehemalige Abteilungsleiter für Konzernsicherheit der Telekom wurde wegen Verletzung des Fernmeldegeheimnisses und Untreue verurteilt; der Bundesgerichtshof bestätigte die Entscheidung 2013 rechtskräftig. Knapp 700.000 Euro Firmengeld hatte der Manager in die Auswertung der Daten gesteckt; weitere 175.000 Euro in Vorschüssen für verdeckte Ermittlungen hatte er sich selbst in die Tasche gewirtschaftet.

Dieser Fall steht nicht exemplarisch für einen unvermeidlichen Normalzustand. Aber er zeigt, was möglich ist, wenn Ressourcen, Motivation und interne Strukturen zusammenkommen. In der Technik hat sich seither viel bewegt – die grundsätzliche Bedrohungslage für sensible Kommunikation ist dieselbe geblieben. Wer heikle Informationen weitergibt, sollte das bewusst tun.

Worauf Sie sich bei mir verlassen können

Drei Punkte, die mir wichtig sind – in dieser Reihenfolge.

Quellenschutz geht vor Geschichte. Ich habe mehrfach Stücke nicht geschrieben, weil eine Rückverfolgung zur Quelle nicht verlässlich auszuschließen war. Das bleibt mein Maßstab.

Klarheit vor der Veröffentlichung. Wir klären vorher, wie ich mit dem, was Sie mir erzählen, umgehe: ob und wie ich Sie zitiere, ob nur als Hintergrund, mit oder ohne Nennung, mit oder ohne indirektem Bezug. Daran halte ich mich. Über das „Ob" und „Wann" einer Veröffentlichung entscheidet allerdings am Ende die Redaktion – das gehört zur Ehrlichkeit dazu. Was ich zusichern kann: Sollte der Schutz Ihrer Identität nicht mehr verlässlich gewährleistet sein, verzichte ich auf die Publikation.

Keine technische Bequemlichkeit auf Ihre Kosten. Wenn Sie einen bestimmten Kanal als sicher einschätzen und andere nicht, folge ich Ihrer Einschätzung. Ich passe mich Ihrem Schutzbedürfnis an, nicht umgekehrt.

Wege, Kontakt aufzunehmen – gestuft nach Sensibilität

Je heikler der Inhalt, desto eher lohnt sich ein Medienbruch. Ein Brief oder ein persönliches Treffen sind digital schlicht nicht abbildbar – das ist ein unterschätzter Vorteil.

Signal – für die meisten Fälle der beste Einstieg

Signal ist ein Messenger mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, finanziert von einer gemeinnützigen Stiftung und ohne werbefinanziertes Geschäftsmodell. Alles läuft verschlüsselt: Nachrichten, Sprach- und Videotelefonate, Bild- und Dokumenten­versand. Selbst der Anbieter sieht keine Inhalte. Aktivieren Sie im Chat die Option verschwindende Nachrichten (etwa 24 Stunden) – dann löschen sich Ihre Nachrichten auf beiden Geräten automatisch.

2026: Signal ist heute für Alltagsfälle die robusteste Empfehlung. Die Bedienung unterscheidet sich kaum noch von WhatsApp, die Verbreitung ist so gewachsen, dass die meisten Menschen die App entweder schon haben oder in wenigen Minuten einrichten können.

Meine Signal-Nummer erhalten Sie auf Anfrage über die Handelsblatt-Redaktion oder über eine kurze E-Mail, in der Sie mir mitteilen, wie ich sicher zurückschreiben kann.

PGP-verschlüsselte E-Mail – für technisch versierte Absender

GnuPG verschlüsselt den Inhalt von E-Mails so, dass nur die Empfangenden sie lesen können. Wichtig zu wissen: Verschlüsselt wird nur der Nachrichtentext und die Anhänge – nicht die Betreffzeile, nicht Absender, nicht Empfänger, nicht der Zeitstempel. Wer am Metadaten-Fluss interessiert ist, sieht also dass Sie mir schreiben, auch wenn nicht was Sie mir schreiben.

2026: PGP ist weiter nützlich, besonders wenn Sie lange Dokumente versenden oder ohnehin damit arbeiten. Für den Erstkontakt ist Signal meist die bessere Wahl – vor allem, weil weniger schieflaufen kann und die Metadaten weniger aussagekräftig sind. PGP-Nutzung lohnt sich fast nur, wenn beide Seiten die Software sicher beherrschen.

Mein aktueller Public Key und der zugehörige Fingerprint werden hier ergänzt. Bis dahin bitte den Schlüssel auf kurzem Weg anfragen (Signal oder Redaktion); ich schicke ihn verifiziert zu.

Brief per Post – unauffällig und unterschätzt

Ein handgeschriebener oder aus einem Internetcafé gedruckter Brief hinterlässt im Digitalen keine Spuren. Es ist eine der ältesten und gleichzeitig robustesten Formen sicherer Kommunikation. Besonders geeignet ist dieser Weg für einen ersten Kontakt, bei dem Sie mir einen sicheren Rückkanal nennen – etwa eine Signal-Nummer, einen anonymen E-Mail-Account oder einen Vorschlag für ein Treffen.

Wenn Ihre Absenderinformation Rückschlüsse auf Sie zulassen könnte, lassen Sie sie weg. Geben Sie den Brief nicht am nächsten Postkasten Ihres Wohnorts auf, sondern an einem anderen Ort – am besten ohne Kamera in der Nähe.

Postanschrift (bitte an mich persönlich adressieren):

Stephan Scheuer
Handelsblatt GmbH
Toulouser Allee 27
40211 Düsseldorf

Persönliches Treffen – für die sensibelsten Gespräche

Jederzeit möglich. Ort, Zeit und Rahmen stimmen wir vorher so ab, dass Ihre Anonymität bestmöglich gewahrt bleibt – auf Wunsch ohne Smartphones, ohne Termine in Kalendern, ohne Namen in Chat-Verläufen. Ich habe Erfahrung damit, solche Termine diskret zu organisieren. Vereinbaren lässt sich ein Treffen über einen der oben genannten Kanäle.

Wovon ich abrate

Unverschlüsselte E-Mail. Wird auf mehreren Servern gespeichert und über Hoster, Netzknoten und Verwaltungen geleitet. Für Alltagsaustausch in Ordnung, für sensible Inhalte ungeeignet.

SMS. Unverschlüsselt, unvollständig gelöscht, leicht abzufangen. Telefonanbieter speichern Verbindungsdaten.

WhatsApp für hochsensible Inhalte. Inhalte sind zwar Ende-zu-Ende-verschlüsselt, aber Metadaten fließen an den Meta-Konzern. Wer Sie wann kontaktiert, ist für den Anbieter einsehbar – und Meta kooperiert auf Ersuchen mit Strafverfolgungsbehörden.

Telegram. Standard-Chats laufen unverschlüsselt über Telegram-Server. Nur ausdrückliche „Geheime Chats" sind Ende-zu-Ende-verschlüsselt – und selbst diese bieten nicht alle Sicherheits­eigenschaften, die Signal standardmäßig mitbringt.

Dienstliche Geräte. Arbeitgeber können auf Firmen-Laptops und -Smartphones häufig mitlesen. Für die erste Kontaktaufnahme sollten Sie privat kommunizieren und Ihre berufliche Infrastruktur erst später einbeziehen, wenn überhaupt.

Eine Bitte zum Nachdenken vorweg

Bevor Sie Kontakt aufnehmen, überlegen Sie: Wer außer Ihnen könnte die Information, die Sie teilen wollen, kennen? Je enger der Kreis, desto leichter ist eine Rückverfolgung – unabhängig davon, welchen Kanal Sie wählen. Das ist die unangenehmste Nebenwirkung der Digitalisierung: Auch bei perfekter Verschlüsselung bleibt die Frage, ob Ihre bloße Existenz als möglicher Informant verräterisch ist.

Sprechen Sie mich gern auf diese Frage an, wenn Sie unsicher sind. Manchmal ist der beste Rat, eine Geschichte nicht aus Ihrer Richtung, sondern aus einer anderen zu verfolgen. Eine Geschichte nicht zu schreiben ist immer besser, als eine Quelle zu gefährden.

Was hat sich seit 2019 geändert?

Als ich den ursprünglichen Text 2019 geschrieben habe, war der Alltag der sicheren Kommunikation in Deutschland noch umständlicher. Signal war ein Nischen-Tool, PGP die Standardempfehlung, WhatsApp gerade erst auf E2E-Verschlüsselung umgestellt. Heute sieht es anders aus.

  • Signal ist Mainstream geworden. Das ist der größte praktische Fortschritt. Ich empfehle inzwischen fast immer Signal als ersten Schritt.
  • Metadaten sind stärker ins Visier geraten. Die Pegasus-Affäre und ähnliche Fälle haben gezeigt, dass es selten der Inhalt einer Nachricht ist, der zum Verhängnis wird, sondern die Frage, wer mit wem wann kommuniziert. Deshalb lohnt sich der Medienbruch – Brief, Treffen, Anonymisierung des Zugangswegs.
  • Gerätekompromittierung ist ernster zu nehmen. Moderne Smartphone-Spionage funktioniert ohne Klick – ein präparierter iMessage-Text kann reichen. Das betrifft auch sonst „sichere" Apps, weil die Verschlüsselung nichts nützt, wenn jemand direkt auf dem Bildschirm mitliest.
  • Redaktionelle Hinweisgeber-Portale. Medienhäuser wie der New York Times, Guardian oder die Süddeutsche Zeitung betreiben eigene SecureDrop-Plattformen. Beim Handelsblatt prüfen wir die Einführung eines vergleichbaren Systems; bis dahin ist Signal der praktische Ersatz.

Die Grundempfehlung bleibt trotzdem einfach: Signal für den Start, Brief oder Treffen für die sensibelsten Gespräche, PGP für Technik-affine Ausnahmefälle. Und immer die Frage stellen: Brauche ich diesen Kanal wirklich, oder gibt es einen einfacheren Weg, der Sie nicht exponiert?

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