Diese Website ist mit KI gebaut – und hat meinen Blick auf Software verändert

Mein Website-Relaunch von WordPress zu Astro: mit KI-Tools, LinkedIn-Datenexport, GitHub-Deployments und vielen Lessons Learned zu SEO, Performance und Infrastruktur.

Diese Website ist mit KI gebaut – und hat meinen Blick auf Software verändert
Bild: Screenshot der neuen Website

Von WordPress zu Astro, von LinkedIn-Datenexporten bis zu GitHub-Deployments: Warum ich meine gesamte Website-Infrastruktur neu aufgebaut habe, welche Rolle KI dabei gespielt hat – und weshalb das Projekt deutlich chaotischer war als viele KI-Demos im Internet vermuten lassen.

Ich baue Websites, seit ich in der Schule war. Damals ging es darum, HTML-Dateien per Hand zusammenzuklicken, erste Layouts auszuprobieren und irgendwie herauszufinden, warum Dinge im Browser anders aussahen als gedacht. Vieles davon war improvisiert. Aber genau diese Mischung aus Schreiben, Gestalten und technischem Basteln hat mich nie ganz losgelassen.

Verändert hat sich mein Blick auf Technologie spätestens 2020, als ich als Korrespondent nach San Francisco gegangen bin. Ich war dort in einer Phase, in der sich das Silicon Valley gerade neu sortierte: Pandemie, Remote-Arbeit, neue Plattformen – und dann im November 2022 die Veröffentlichung von ChatGPT. Schon damals war klar, dass sich hier etwas Grundlegendes verändert. Ich habe seitdem mit vielen KI-Tools experimentiert. Manche waren beeindruckend, viele überschätzt.

Aber nichts davon war für mich so einschneidend wie die Entwicklung seit Ende 2025 und Anfang 2026.

Die neuesten Modelle von OpenAI und Anthropic haben eine Qualität erreicht, die Softwareentwicklung plötzlich fundamental verändert. Nicht nur für professionelle Entwickler, sondern auch für Menschen wie mich, die technisch arbeiten, aber keine klassischen Vollzeit-Programmierer sind. Ich habe 2026 bislang kaum einen Tag erlebt, an dem ich nicht mit Hilfe von KI neuen Code geschrieben, verändert oder überprüft habe.

Und irgendwann entstand daraus die Idee: Warum nicht die eigene Website komplett neu bauen?

Warum ich WordPress hinter mir lassen wollte

Die alte Version meiner Website basierte auf WordPress. Das funktionierte grundsätzlich – aber wirklich zufrieden war ich damit nie.

Wer sich einen Eindruck von der alten Website machen will, kann sich diese in der Wayback-Machine anschauen: Alte Website in der Wayback-Machine ansehen.

Screenshot der alten WordPress-Website von stephanscheuer.de aus Mai 2026 Die frühere WordPress-Version der Website.

WordPress ist extrem mächtig. Genau das war für mich zunehmend das Problem.

Ich brauche keine Kommentarfunktionen. Kein komplexes Nutzer-Management. Kein großes Redaktionssystem. Ich schreibe Texte lieber direkt in Dateien – in Markdown oder HTML – statt durch Verwaltungsoberflächen zu klicken. Gleichzeitig bringt WordPress viel technischen Ballast mit, den ich nie genutzt habe.

Besonders frustrierend war für mich das Thema Mehrsprachigkeit. Über Jahre habe ich verschiedene kommerzielle Lösungen ausprobiert, um deutsche und englische Inhalte sauber abzubilden. Manche Plugins verschwanden irgendwann vom Markt. Andere wurden kaum noch gepflegt. Einige funktionierten nie wirklich elegant.

Hinzu kamen Sicherheitsprobleme. Über die Jahre hatte ich verschiedene externe Dienste und Erweiterungen in WordPress eingebaut. Teilweise lief das stabil, teilweise überhaupt nicht. Zwischendurch gab es Situationen, in denen Dienstleister Fehler gemacht haben und dadurch reale Sicherheitslücken auf meiner Website entstanden sind. Das war einer der Momente, in denen ich gemerkt habe, wie abhängig man von einer immer komplexeren Infrastruktur wird.

Dabei war die eigentliche Idee meiner Seite längst eine andere.

Meine Arbeit konzentriert sich stark auf die USA, aber auch auf China. Eigentlich wollte ich schon lange eine Plattform bauen, die perspektivisch Inhalte in mehreren Sprachen zusammenführen kann – mindestens Deutsch und Englisch, vielleicht irgendwann auch Chinesisch.

Hinzu kam ein zweites Problem: LinkedIn.

Seit ungefähr acht Jahren veröffentliche ich dort regelmäßig Gedanken, Beobachtungen, Analysen und kleine Alltagsnotizen. Über die Zeit ist daraus ein großes Archiv entstanden, das praktisch unsichtbar blieb. Inhalte verschwinden dort schnell im Feed. Sie sind kaum strukturiert auffindbar. Und sie gehören letztlich einer Plattform.

2026 entstand deshalb die Idee, alles neu zu denken.

Der Neustart: Astro statt klassischem CMS

Am Anfang stand die Frage: Wie müsste eine moderne Website eigentlich aufgebaut sein, wenn man heute noch einmal komplett von vorne beginnt?

Relativ schnell bin ich bei Astro gelandet.

Astro ist ein modernes Web-Framework, das Seiten möglichst statisch ausliefert. Vereinfacht gesagt: Viele Inhalte werden bereits beim Bauen der Website fertig erzeugt und müssen nicht erst dynamisch zusammengesetzt werden, wenn jemand die Seite besucht. Das macht Websites deutlich schneller und reduziert technische Komplexität.

Das passte perfekt zu meinem Ansatz.

Ich wollte möglichst wenig JavaScript einsetzen – also nur dort, wo es wirklich nötig ist. Und auch PHP, eine klassische Webserver-Sprache, sollte nur an wenigen Stellen laufen: etwa beim Kontaktformular oder später beim Newsletter-System.

Der Großteil der Seite sollte aus einfachen, schnellen HTML-Dateien bestehen.

Genau dafür erwies sich Astro als ideal.

Screenshot der neuen Website auf Astro-Basis von stephanscheuer.de aus Mai 2026 Die neue Website nach dem Redesign mit Astro.

Das große Titelbild ist dabei bewusst geblieben, damit die visuelle Wiedererkennbarkeit erhalten bleibt. Die Architektur im Hintergrund ist jedoch komplett neu aufgebaut.

Allerdings hat dieser Ansatz auch Nachteile. In einem klassischen CMS kann man oft direkt im Browser schnell ein Wort korrigieren oder einen Tippfehler entfernen. Bei meinem neuen Setup ist der Weg deutlich technischer geworden. Selbst kleine Änderungen laufen über GitHub, lösen neue Builds aus und müssen anschließend neu auf den Server übertragen werden. Oft wird dabei mehr aktualisiert, als man eigentlich verändern wollte.

Das macht die Seite robuster – aber nicht unbedingt bequemer.

Wie KI tatsächlich beim Entwickeln geholfen hat

Die Website ist vor allem in Visual Studio Code entstanden, dem Entwicklungseditor von Microsoft. Die wichtigsten KI-Werkzeuge dabei waren für mich Codex von OpenAI und Claude beziehungsweise die Modelle von Anthropic.

Und zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, dass KI nicht nur kleine Code-Schnipsel erzeugt, sondern tatsächlich als Entwicklungspartner funktioniert.

Die Modelle konnten Fehler analysieren, Routing-Probleme nachvollziehen, Deployments debuggen oder Architekturideen diskutieren. Natürlich machen sie weiterhin Fehler. Teilweise gravierende.

Gerade in längeren Arbeitsphasen zeigte sich schnell, dass KI keineswegs magisch funktioniert.

Immer wieder halluzinierten die Modelle Funktionen, die es gar nicht gab. Teilweise wurden bestehende Lösungen verschlimmbessert. Zwischendurch verschwanden Inhalte oder Konfigurationen, weil die KI falsche Änderungen vorgeschlagen hatte. Manchmal musste ich größere Teile zurückrollen oder Dateien mühsam rekonstruieren.

Auch die Infrastruktur der KI-Anbieter selbst wurde plötzlich zum Faktor.

Mehrmals hatte Anthropic während der Arbeit Ausfälle oder starke Performance-Probleme. In solchen Momenten hing ein Teil des Entwicklungsprozesses praktisch fest. Gleichzeitig zeigte sich, wie schwierig der Wechsel zwischen verschiedenen KI-Systemen sein kann. Wenn man mitten in einem komplexen Projekt von Anthropic zu OpenAI oder umgekehrt springt, gehen oft Kontext und technische Entscheidungen verloren. Das erzeugt erstaunlich viel Reibung.

Die GitHub-Historie der Seite zeigt diese iterative Arbeitsweise ziemlich deutlich.

Das eigentliche Redesign begann am 21. April 2026. Danach folgten innerhalb weniger Wochen zahlreiche Iterationen: neue URL-Strukturen, Routing-Fixes, Mehrsprachigkeit, SEO-Korrekturen, Bildoptimierung, Deploy-Probleme und immer wieder neue Anpassungen.

Interessanterweise war der größte Aufwand am Ende nicht das Design der Seite. Die schwierigeren Themen lagen im Hintergrund:

  • saubere Weiterleitungen von alten WordPress-URLs,
  • Suchmaschinenkompatibilität,
  • stabile Deployments,
  • inkrementelle Updates,
  • internationale Routing-Strukturen,
  • und die Absicherung gegen kaputte Links.

Die Website wird heute über GitHub verwaltet. Dort liegt der gesamte Code versioniert. Änderungen werden automatisiert gebaut und anschließend per FTPS auf meinen Hoster übertragen. Vor der Seite sitzt zusätzlich Cloudflare als Sicherheits- und Caching-Schicht.

Die Infrastruktur ist bewusst minimalistisch gehalten.

Und genau das fühlt sich heute wie einer der größten Vorteile an.

Der vielleicht wichtigste Teil: Die LinkedIn-Daten

Das inhaltliche Herzstück der neuen Seite entstand über einen ungewöhnlichen Weg.

Ich habe bei LinkedIn eine DSGVO-Datenabfrage gestellt und mir sämtliche Daten meines Accounts exportieren lassen. Das Ergebnis waren große Mengen an CSV-Dateien mit Beiträgen, Metadaten und Verweisen auf Bilder.

Die Fotos selbst lagen allerdings nicht direkt vor – nur die Links dazu.

Also habe ich mir mit Hilfe von KI einen kleinen Scraper gebaut, der diese Bilder automatisiert heruntergeladen und archiviert hat. Erst dadurch wurde es möglich, die Inhalte systematisch neu aufzubereiten.

Danach begann die eigentliche Kurationsarbeit.

Ich habe die wichtigsten LinkedIn-Posts der vergangenen Jahre ausgewählt und mit meinen Handelsblatt-Artikeln verknüpft. Auf der Website erscheinen nun die Einstiege der jeweiligen Texte mit Weiterleitungen auf die Originalseiten beim Handelsblatt.

Die vollständigen Artikel kann ich aus urheberrechtlichen Gründen nicht selbst veröffentlichen. Aber die ersten Absätze geben einen Eindruck der Recherche – und wer weiterlesen möchte, landet direkt beim Original.

Warum die neue Seitenstruktur anders aufgebaut ist

Die alte Website war ursprünglich 2018 entstanden – damals vor allem als Begleitung für mein erstes Buch.

Seitdem ist viel passiert.

Ich bin aus China nach Deutschland zurückgekehrt. Danach erneut als Korrespondent nach San Francisco gegangen. Später wieder zurück nach Deutschland. Ein zweites Buch ist entstanden. Gleichzeitig haben sich meine Themen stark erweitert: KI, Plattformen, Geopolitik, Telekommunikation, Technologiepolitik.

Die neue Seite sollte all das besser abbilden.

Deshalb gibt es heute verschiedene Ebenen:

  • Bücher,
  • Recherchen beziehungsweise Stories,
  • Vorträge,
  • sowie die neue Rubrik „Notizen“.

Wer direkt stöbern möchte: Bücher, Recherchen, Vorträge und Notizen.

Gerade diese Notizen waren mir wichtig. Nicht alles, was interessant ist, passt in klassische journalistische Formen. Manche Gedanken sind persönlicher, experimenteller oder technischer. Dafür gibt es jetzt einen eigenen Raum.

Gleichzeitig ist der Umfang der Website heute deutlich größer als früher. Für fast alle wichtigen Artikel existieren inzwischen englische Fassungen. Dabei ging es mir ausdrücklich nicht um bloße Übersetzungen. Ich wollte Inhalte schaffen, die auch für ein internationales Publikum funktionieren – mit anderen Einordnungen, anderen Begriffen und teilweise anderen Schwerpunkten.

Das macht die Arbeit allerdings deutlich aufwendiger.

Je mehr Inhalte, Versionen und Sprachvarianten existieren, desto schwieriger wird es, Fehler sofort zu erkennen. Manchmal fallen Probleme erst deutlich später auf. Und gerade bei mehrsprachigen Seiten vervielfacht sich praktisch jeder kleine Pflegeaufwand.

Geschwindigkeit statt technischer Überladung

Eine der wichtigsten Erkenntnisse des Projekts: Moderne Websites müssen nicht schwer sein.

Die neue Seite lädt extrem schnell. Bilder werden automatisch optimiert. Inhalte werden statisch ausgeliefert. Es gibt kaum unnötigen Laufzeit-Code.

Zusätzliche Tools kommen nur dort zum Einsatz, wo sie wirklich sinnvoll sind. Für die 360-Grad-Bilder meiner Nordkorea-Reise nutze ich beispielsweise Pannellum – eine spezialisierte Bibliothek für Panoramaansichten. Ansonsten versuche ich externe Abhängigkeiten möglichst gering zu halten.

Auch beim Newsletter-System war mir wichtig, die Infrastruktur selbst zu kontrollieren – inklusive Double-Opt-In und europäischer Datenschutzanforderungen.

Im Ergebnis fühlt sich die Seite heute deutlich kontrollierbarer an als früher. Ich habe weniger externe Abhängigkeiten, weniger unnötige Plugins und insgesamt eine deutlich kleinere Angriffsfläche.

Was ich aus diesem Projekt gelernt habe

Die wichtigste Erkenntnis hat überraschend wenig mit Code zu tun.

KI ersetzt keine eigenen Ideen. Sie ersetzt auch kein Verständnis dafür, wie eine Website funktionieren soll. Aber sie verändert radikal, wer heute komplexe technische Projekte umsetzen kann.

Viele Dinge, für die man früher große Teams oder Agenturen gebraucht hätte, lassen sich heute iterativ selbst entwickeln – wenn man bereit ist, sich tief genug einzuarbeiten.

Gleichzeitig zeigt das Projekt auch die Grenzen.

KI kann viel beschleunigen. Aber sie produziert weiterhin Fehler, Halluzinationen und teilweise schlechten Code. Man muss kontrollieren, testen, gegenprüfen und verstehen, was tatsächlich passiert. Gerade bei Sicherheit, Infrastruktur oder Suchmaschinenlogik wäre blindes Vertrauen fatal.

Trotzdem fühlt sich die Entwicklung fundamental an.

Nicht, weil KI plötzlich „alles kann“. Sondern weil die Hürde zwischen Idee und funktionierender Software massiv kleiner geworden ist.

Und genau deshalb ist diese Website am Ende nicht nur ein Redesign geworden. Sondern auch ein Experiment darüber, wie sich kreatives Arbeiten, Journalismus und Softwareentwicklung gerade verändern.

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