China – die neue Weltraum-Nation?
China investiert massiv in seine Weltraumtechnik. Bald will man hier die Vorherrschaft gewinnen. Doch ohne Militär und Staat läuft in der Entwicklung
China investiert massiv in seine Weltraumtechnik. Bald will man hier die Vorherrschaft gewinnen. Doch ohne Militär und Staat läuft in der Entwicklung nichts. Handelsblatt-Korrespondent Stephan Scheuer hat eine der führenden Firmen in Peking besucht.
Hintergrund
2017 stand Chinas Raumfahrtprogramm an der Schwelle zur internationalen Wahrnehmung als dritte große Raumfahrtnation. Die ersten Mondsonden (Chang'e-1 und Chang'e-2) waren erfolgreich gewesen, das eigene Satellitennavigationssystem Beidou im Aufbau, die ersten bemannten Flüge (seit 2003) waren zur Routine geworden. Der Plan für eine eigene dauerhafte Raumstation – Tiangong – lief bereits.
Seither folgten spektakuläre Erfolge. 2019 gelang mit Chang'e-4 die erste Mondlandung auf der erdabgewandten Seite – ein Manöver, das bis dahin nie ein Land unternommen hatte und das einen speziellen Kommunikationssatelliten im L2-Punkt voraussetzte. 2020 brachte Chang'e-5 als erste Mission seit 1976 Mondgestein zur Erde zurück. 2021 setzte China mit dem Rover Zhurong (Tianwen-1) erfolgreich auf dem Mars auf und wurde damit nach den USA und der Sowjetunion das dritte Land, dem eine Marslandung gelang.
Seit 2022 ist die eigene Raumstation Tiangong permanent besetzt – ein dreiteiliges Modul in 340 bis 450 Kilometern Erdumlaufbahn. Damit verfügt China neben den USA (mit der Internationalen Raumstation ISS, an der China nie beteiligt war) über die einzige nationale Raumstation. Ab 2028 wird Tiangong voraussichtlich sogar die einzige verbleibende Raumstation sein – die ISS ist aus dem Orbit zu bringen, und die von den USA geplante Gateway-Station soll am Mond (nicht in Erdumlaufbahn) entstehen.
Kommerziell hat sich ebenfalls ein chinesischer Raumfahrtsektor entwickelt. Firmen wie iSpace, Galactic Energy, Landspace und China Rocket haben eigene Trägerraketen geflogen. Der Plan für eine bemannte Mondlandung bis 2030 steht offiziell; das neue Raumschiff „Mengzhou" und die Trägerrakete „Langer Marsch 10" sind in Entwicklung.
Die geopolitische Bedeutung ist nicht zu unterschätzen. Chinas Raumfahrtprogramm ist zivil-militärisch integriert; viele Technologien dienen auch der Aufklärung und dem Einsatz von Militärsatelliten. Das Beidou-Navigationssystem ist inzwischen präziser als das amerikanische GPS und wird von Staaten wie Pakistan, Russland und einer wachsenden Zahl afrikanischer Länder genutzt. Damit wird der Weltraum zunehmend zu einer Arena geopolitischer Konkurrenz – parallel zu der irdischen.