Von der Werkbank zum Spitzenreiter – Chinas ambitionierter Plan 2025

Die Volksrepublik will nicht mehr die Werkbank der Welt sein. Handelsblatt-Korrespondent Stephan Scheuer hat innovative Firmen besucht.

Die Volksrepublik will nicht mehr die Werkbank der Welt sein. Handelsblatt-Korrespondent Stephan Scheuer hat innovative Firmen besucht. Er zeigt, wie sie Industrie 4.0 kopieren und immer schneller aufholen. Der deutsche Vorsprung schmilzt dahin.


Hintergrund

Made in China 2025 ist die Industriepolitik, die Peking 2015 ausrief. In zehn Schlüsselsektoren – darunter Robotik, Luft- und Raumfahrt, neue Materialien, Elektrofahrzeuge, Biotechnologie, Schiene und Künstliche Intelligenz – soll China zur Weltspitze aufschließen und im eigenen Land mindestens 70 Prozent der Wertschöpfung stellen. Die Reportage untersucht den Zwischenstand zwei Jahre nach Start des Programms.

Der Plan war von Anfang an mehr als reine Industriepolitik – er war eine strategische Ansage. Chinas Führung hatte erkannt, dass der bisherige Wachstumspfad – über billige Fertigung und Technologietransfer ausländischer Konzerne – an seine Grenzen stieß. Um nicht in der „Middle Income Trap" zu stecken, wie es viele Schwellenländer tun, musste der Aufstieg zur Innovations-Großmacht gelingen.

Unter Trump wurde Made in China 2025 zum Stein des Anstoßes im Handelskrieg. Die US-Regierung sah in dem Programm den offenen Anspruch, amerikanische Technologie-Dominanz zu brechen – und reagierte mit Zöllen, Exportkontrollen und einer Kampagne gegen chinesische Tech-Unternehmen wie Huawei und ZTE. Peking erwähnt den Namen des Programms seitdem öffentlich seltener. Die Ziele aber werden konsequent weiterverfolgt, teilweise unter neuen Begriffen wie „neue Produktivkräfte" oder „indigene Innovation".

In mehreren Branchen ist China bereits Weltmarktführer geworden: bei Elektrofahrzeugen, bei Batterien, bei Solarmodulen, bei Industrierobotern (gemessen am Einsatz), bei Hochgeschwindigkeitszügen und kommerziellen Drohnen. Bei Halbleitern – dem wichtigsten Schlachtfeld – hat die westliche Entkopplung den Aufholkurs verlangsamt, ohne ihn zu stoppen: Chinesische Hersteller wie SMIC produzieren inzwischen 7-Nanometer-Chips, auch wenn die Ausbeute niedriger ist und die modernsten EUV-Lithographie-Maschinen des niederländischen ASML nicht nach China geliefert werden dürfen.

Bei kommerziellen Verkehrsflugzeugen markiert die COMAC C919 – 2023 in den Linienbetrieb genommen – einen Meilenstein. China hat damit als drittes Land nach den USA und Europa einen eigenen Mittelstrecken-Jet fertig entwickelt. Noch stammen zentrale Komponenten wie die Triebwerke aus westlicher Fertigung, doch der langfristige Plan ist auch hier klar: vollständige industrielle Unabhängigkeit.

Der Gegensatz zur Zeit der Reportage ist deutlich. Damals war Made in China 2025 ein ambitionierter Plan mit unklarem Ausgang. Heute ist es – trotz aller Widerstände – eine der wenigen langfristigen Industriestrategien, die weitgehend umgesetzt wurden.

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