Wie China zur führenden Roboter-Nation werden will
Die Volksrepublik will nicht mehr Werkbank der Welt sein, sondern Innovationstreiber. Handelsblatt-Korrespondent Stephan Scheuer hat eine Fabrik besucht,
Die Volksrepublik will nicht mehr Werkbank der Welt sein, sondern Innovationstreiber. Handelsblatt-Korrespondent Stephan Scheuer hat eine Fabrik besucht, in der Roboter immer mehr Aufgaben von Menschen übernehmen sollen.
Hintergrund
Die Reportage entstand am Anfang des staatlichen Programms Made in China 2025, das zehn Schlüsselindustrien identifiziert – darunter Industrieroboter. Bereits damals war die Volksrepublik der weltweit größte Markt für Industrieroboter: Im Jahr 2016 wurden dort rund 87.000 Neuinstallationen registriert, mehr als in Europa und Amerika zusammen.
Die Übernahme des deutschen Roboterherstellers Kuka durch den chinesischen Konzern Midea 2016 galt als Wendepunkt in der Debatte um Chinas Technologieoffensive. Zum ersten Mal ging ein Weltmarktführer einer Schlüsseltechnologie in chinesische Hand – und die deutsche Politik diskutierte erstmals öffentlich über die Notwendigkeit, sensible Industrien vor dem Zugriff staatsnaher Investoren aus China zu schützen. 2018 folgte das novellierte Außenwirtschaftsgesetz mit schärferen Prüfrechten bei Übernahmen.
Heute ist China nicht mehr nur der größte Abnehmer von Industrierobotern, sondern entwickelt zunehmend eigene Marken. Firmen wie Estun, Inovance, Siasun und Efort konkurrieren inzwischen mit den etablierten ABB, Kuka, Fanuc und Yaskawa. Während chinesische Hersteller 2013 nur rund ein Drittel des heimischen Marktes bedienten, ist ihr Anteil bis 2023 auf über die Hälfte gestiegen. Bei einfacheren Robotertypen dominieren sie den Heimatmarkt inzwischen klar.
Die strategische Bedeutung geht über die Industrie hinaus. Chinas Führung sieht Robotik als Schlüssel zur Bewältigung des demographischen Wandels: Die Bevölkerung schrumpft seit 2022, die Erwerbstätigen-Jahrgänge werden kleiner, die Löhne in der Fertigung sind in den vergangenen zwei Jahrzehnten stark gestiegen. Automatisierung soll helfen, die Produktionskosten trotzdem wettbewerbsfähig zu halten.
Eine neue Dimension ist die Verbindung von Robotik mit Künstlicher Intelligenz. Chinesische Hersteller wie Unitree, Fourier Intelligence und XPeng Robotics stellen humanoide Roboter vor, die mit großen Sprachmodellen gesteuert werden. Mehrere Provinzen haben 2024 Pilotprogramme für den Einsatz solcher Systeme in Fabriken, Pflegeeinrichtungen und öffentlichen Diensten gestartet. Ob das ein echter technologischer Durchbruch wird oder eine Zwischenetappe bleibt, entscheidet sich in den kommenden Jahren.