Nvidia: Wie der Chipkonzern zum Elitepartner der deutschen Industrie wurde
Mercedes, Siemens oder Bosch: Nvidia sichert sich einen Großauftrag aus Deutschland nach dem anderen. Ein Besuch im Herzen des Tech-Konzerns.

Warum dieser Artikel zählt
Nvidia-Chef Jensen Huang geht in immer mehr deutschen Konzernzentralen ein und aus. Bosch, Mercedes, Siemens: Der Chipspezialist aus Santa Clara ist in kurzer Zeit zu einem der wichtigsten Zulieferer der deutschen Industrie geworden. Die Kräfteverhältnisse an der Börse sind eindeutig: Nvidia ist fünfmal so viel wert wie Siemens, erzielt dabei nicht einmal die Hälfte des Umsatzes. Huang, der taiwanesische Einwanderer, hat Nvidia in drei Jahrzehnten zum wertvollsten Chipkonzern der Welt gemacht. Was macht diese Firma für deutsche Traditionsunternehmen so attraktiv?
Das Nervenzentrum
Im Süden des Silicon Valley, in Santa Clara, hat Nvidia eine futuristische Zentrale errichtet: den „Voyager“-Komplex mit 70.000 Quadratmetern, dazu das angrenzende „Endeavor“. Die Namen sind kein Zufall: Sie stehen für Raumschiffe aus „Star Trek“. Die Dachkonstruktion erinnert an Zelte, die Büroflächen sind offen. „Bei uns hat jeder Arbeitsplatz eine gute Aussicht“, sagt Danny Shapiro, Chef der Autosparte. Huangs Architekturbotschaft: Wir bauen nicht Chips, wir bauen die Zukunft.
Warum deutsche Konzerne anklopfen
Nvidia liefert zwei Dinge, die deutsche Industrie dringend braucht. Erstens: Hochleistungs-Chips für Künstliche Intelligenz, Autonomes Fahren, Robotik, Simulation. Zweitens: Software-Werkzeuge wie die Omniverse-Plattform, auf der digitale Zwillinge ganzer Fabriken laufen. Mercedes nutzt Nvidia-Chips für die nächste Fahrzeug-Generation. Siemens baut digitale Abbilder seiner Werke auf Omniverse. Bosch entwickelt Fahrerassistenz-Systeme. Die Partnerschaften sind nicht oberflächlich – sie reichen tief in die Zukunftsstrategie der deutschen Industrie.
Was das für Deutschland bedeutet
Die Nvidia-Geschichte ist eine ambivalente. Einerseits ein Beleg dafür, dass sich deutsche Konzerne in Zukunftstechnologien auf amerikanisches Silizium und amerikanische Software verlassen müssen. Andererseits ein Zeichen, dass sie die Tragweite der Entwicklung erkannt haben. Die Frage, wie Europa seine eigene Chip- und KI-Infrastruktur aufbaut, wird damit nicht kleiner, sondern größer. Der Erfolg von Nvidia ist ein Warnsignal – und eine Einladung, den eigenen Beitrag zu liefern.
Die ganze Geschichte habe ich zusammen mit Joachim Hofer und Axel Höpner für das Handelsblatt aufgeschrieben. Hier bekommen Sie einen ersten Eindruck.