San Francisco: Die Welthauptstadt der KI und ihre dunkle Kehrseite
Auf 400 Metern liegen Milliarden-Dollar-Firmen und Menschen auf dem Gehweg. Wie San Francisco zwischen KI-Boom und Drogenkrise zerreißt – eine Stadttour in vier Akten.

Warum dieser Artikel zählt
Kein Ort auf der Welt ist gerade wichtiger für die Zukunft der Künstlichen Intelligenz als San Francisco. OpenAI hat hier seinen Sitz, Anthropic, Databricks, Salesforce. Nach neuen Zahlen des Immobilienkonzerns JLL haben allein die reinen KI-Firmen in der Stadt 316.000 Quadratmeter Büroflächen angemietet, rund 55 Prozent mehr als im Vorjahr. Mehr als in New York, London oder Paris zusammen.
Gleichzeitig: die schwerste Krise der Stadtgeschichte
806 Menschen sind im Jahr 2023 in San Francisco an einer Überdosis gestorben – mehr als zwei pro Tag. Jeden Tag wird im Durchschnitt in 54 Autos eingebrochen, die Täter werden selten gefasst. Im Finanzdistrikt liegen Menschen in zerschlissenen Decken auf dem Gehweg, während wenige Meter darüber die Glasfassaden der KI-Milliardäre glänzen.
Wie passt beides zusammen?
Für das Handelsblatt bin ich in diesen Widerspruch gegangen. In vier Akten habe ich die Stadt getroffen, die sich selbst nicht mehr versteht: die Unternehmer, die Bürgermeisterin, die Polizei, die Bewohner. Ich habe mit Databricks-Chef Ali Ghodsi in einem Spitzenrestaurant diniert, mit Bürgermeisterin London Breed vor den Painted Ladies gesprochen – und versucht, beides zu beschreiben: den Optimismus der Tech-Elite und die Verzweiflung derer, die zwischen ihren Bürogebäuden leben.
Was der Artikel erzählt
Dass San Francisco nicht untergeht, ist das Narrativ der Gründer. Sie mieten ein, sie investieren, sie wachsen. Dass die Stadt aber gleichzeitig an einer stumpfen Drogen- und Kriminalitätskrise zerbricht, ist das Narrativ der Stadt selbst. Die interessante Frage ist nicht, welches der beiden Bilder stimmt. Beide stimmen. Die Frage ist, was passiert, wenn eine Metropole zwei so gegensätzliche Realitäten gleichzeitig aushalten muss.
Die ganze Stadttour – mit allen Begegnungen, Zahlen und Zitaten – habe ich für das Handelsblatt aufgeschrieben. Hier bekommen Sie einen ersten Eindruck.