Selbstfahrende Autos von Baidu
Der chinesische Internetkonzern Baidu gehört zu den Vorreitern bei der Entwicklung selbstfahrender Autos.
Der chinesische Internetkonzern Baidu gehört zu den Vorreitern bei der Entwicklung selbstfahrender Autos. Mit einer offenen Plattform will Firmengründer Robin Li seine Software zur Basis für die nächste Generation für computergesteuerten Autos machen. In Peking stellte die Firma die Prototypen ihrer Fahrzeuge einer kleinen Gruppe von Journalisten vor. Stephan Scheuer war dabei.
Hintergrund
Baidu gilt als das „chinesische Google": die dominierende Suchmaschine des Landes, dazu Karten, Cloud-Services und eine eigene KI-Plattform. 2017 stellte Baidu unter dem Namen Apollo eine offene Software-Plattform für autonomes Fahren vor – benannt nach dem Apollo-Mondprogramm, als Symbol für die Ambition, bei einer zentralen Zukunftstechnologie Weltspitze zu werden. Die Reportage fängt diese Anfangstage ein.
Die Strategie war von Beginn an offen: Baidu lud andere Unternehmen ein, ihre Autos und Sensoren in die Apollo-Plattform zu integrieren. Zu den ersten Partnern gehörten chinesische Autobauer wie FAW und BAIC, später auch Nvidia und Bosch. Im Hintergrund verfolgte Baidu zwei parallele Ziele: einerseits ein Betriebssystem für selbstfahrende Autos zu etablieren (vergleichbar mit Android), andererseits eigene Robotaxi-Flotten zu betreiben.
Heute betreibt Baidu unter dem Namen Apollo Go kommerzielle Roboter-Taxi-Flotten in mehreren chinesischen Städten, darunter Peking, Wuhan, Chongqing und Shenzhen. Die Dienste sind in manchen Gebieten bereits ohne Sicherheitsfahrerin oder Sicherheitsfahrer unterwegs; in Wuhan bedient Apollo Go ein Gebiet, in dem bereits mehrere hundert Fahrzeuge rund um die Uhr fahrerlos operieren. 2024 erreichte die Marke mehr als 10 Millionen kumulative Fahrten – deutlich mehr als alle westlichen Konkurrenten zusammen.
Neben Baidu drängen chinesische Start-ups wie Pony.ai, WeRide, AutoX und das Alibaba-nahe DeepRoute in den Markt. Alle verfügen über kommerzielle Robotaxi-Lizenzen in mehreren Städten – eine Dichte, die in keiner anderen Region der Welt erreicht wird. In den USA konzentriert sich der Markt auf Waymo (Alphabet-Tochter) und Cruise (GM-Tochter, inzwischen stark eingeschränkt). Tesla hat sein „Robotaxi"-Projekt Cybercab 2024 vorgestellt, steht aber noch vor der kommerziellen Einführung.
Zwei Faktoren machen China zum Leitmarkt für autonome Fahrzeuge: erstens die Bereitschaft der Behörden, komplette Stadtviertel für Tests freizugeben, oft sogar mit angepasster Infrastruktur (Ampeln, die mit Fahrzeugen kommunizieren). Zweitens eine Regulierung, die aus Zentral- und Lokalregierungen in koordinierter Weise auftritt – anders als in den USA, wo einzelne Bundesstaaten eigene Regeln setzen.
Die internationale Expansion bleibt dagegen vorerst begrenzt. Apollo Go betreibt erste Pilotprojekte in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. In Europa und den USA verhindern regulatorische Hürden und geopolitische Bedenken (Stichwort: Datensicherheit) bislang einen Markteintritt chinesischer Robotaxi-Anbieter.