Zu Besuch in Chinas „Solar-Ruinen“

Weil der einst weltgrößte Solarkonzern Yingli aus China seine Rechnungen nicht bezahlte, schlitterte ein deutscher Mittelständler in die Pleite.

Weil der einst weltgrößte Solarkonzern Yingli aus China seine Rechnungen nicht bezahlte, schlitterte ein deutscher Mittelständler in die Pleite. Unser Korrespondent hat die Ruinen der Firma in Chinas Solarhauptstadt Baoding besucht.


Hintergrund

Die Reportage dokumentiert die Schattenseite des chinesischen Solar-Aufstiegs: Fabriken, die nach Preisstürzen und Überkapazitäten schließen mussten. In der ersten Runde des globalen Solarwettbewerbs – der Jahre 2011 bis 2013 – gingen viele chinesische Hersteller pleite. Suntech, damals weltweit zweitgrößter Modulhersteller, meldete 2013 Insolvenz an; LDK Solar folgte.

Doch die Branche konsolidierte sich und ging anschließend zum globalen Offensivgeschäft über. Gestützt durch massive staatliche Subventionen, günstige Kredite staatlich geführter Banken und den riesigen Heimatmarkt konnten chinesische Hersteller die Preise für Solarmodule von über drei Dollar pro Watt (2010) auf unter 20 US-Cent pro Watt (2024) drücken. Der Preisverfall war der Hauptgrund, warum die westlichen Hersteller – Q-Cells in Deutschland, BP Solar, REC Solar in Norwegen – reihenweise aufgaben oder von chinesischen Investoren übernommen wurden.

Heute stammen über 80 Prozent der weltweit gefertigten Solarmodule aus China. Bei der Wafer- und Zellen-Produktion liegt der Anteil bei über 90 Prozent. Die führenden Hersteller – Longi, Trina Solar, Jinko Solar, JA Solar – haben sich zu globalen Konzernen entwickelt, oft vertikal integriert vom Polysilicium bis zum fertigen Modul.

Dieselbe Dynamik – massive staatliche Förderung, Überkapazitäten, Preisverfall, Verdrängung ausländischer Konkurrenten – spielt sich inzwischen auch in anderen Sektoren ab: bei Elektroautos, Batterien, Windkraftanlagen, Solarwechselrichtern. Die EU-Kommission hat 2024 Anti-Subventions-Zölle gegen chinesische E-Autos verhängt; laufende Untersuchungen betreffen auch Solar- und Windkraftkomponenten.

Die Ironie des Solar-Booms: Er hat die Energiewende weltweit drastisch verbilligt, gleichzeitig aber die westliche Fähigkeit zum eigenen Aufbau dieser Kapazitäten untergraben. Die Solar-Ruinen der Reportage waren der Anfang einer Entwicklung, die heute die deutsche und europäische Industriepolitik dominiert: Wie lässt sich Klimaschutz vorantreiben, ohne die eigene industrielle Basis an China zu verlieren?

Mehr zu China

Alle Recherchen