Wie Chinas Autobauer an die Weltspitze drängen

Noch dominieren die deutschen Hersteller BMW, Daimler und Audi das Premium-Segment auf dem globalen Automarkt.

Noch dominieren die deutschen Hersteller BMW, Daimler und Audi das Premium-Segment auf dem globalen Automarkt. Aber die chinesischen Hersteller holen rasant auf. Korrespondent Stephan Scheuer hat sich die Technik im Werk des Autobauers Chery zeigen lassen.


Hintergrund

Als diese Reportage entstand, galten chinesische Automarken international noch weitgehend als Randerscheinung. Firmen wie Geely, BYD, Great Wall und Chery dominierten zwar den Heimatmarkt, wo sie niedrige Preise mit zunehmender Qualität kombinierten – spielten bei Exporten aber kaum eine Rolle. Für westliche Konzerne war China der entscheidende Wachstumsmarkt, nicht der Konkurrent.

Der Umbruch kam mit der Elektromobilität. Peking setzte ab etwa 2015 massiv auf Elektroantriebe als strategische Priorität: großzügige Kaufprämien, Quoten für Elektroautos, Investitionen in Ladeinfrastruktur, bevorzugte Zulassung in den größten Metropolen. Parallel baute Peking in der Batterie-Zellchemie eine komplette Lieferkette auf – mit CATL und BYD als globalen Marktführern.

Seither ist China zum weltgrößten Automobilexporteur aufgestiegen – 2023 löste die Volksrepublik Japan von diesem Platz ab. Bei Elektroautos ist China unangefochten die Nummer eins: rund 60 Prozent aller weltweit verkauften Elektroautos werden in China produziert. BYD – einst ein reiner Batteriehersteller – hat Tesla im vierten Quartal 2023 erstmals als weltgrößten Hersteller reiner Elektroautos überholt.

Mehrere Marken drängen offensiv nach Europa. Nio hat Niederlassungen in Norwegen, Deutschland und anderen Ländern eröffnet; Xpeng und Li Auto folgten. BYD hat in Ungarn ein Werk angekündigt, um Zölle zu umgehen. Die etablierten europäischen Hersteller – Volkswagen, BMW, Stellantis – verlieren unterdessen Marktanteile in China rapide: Ihr kombinierter Anteil am dortigen Pkw-Markt ist von über 40 Prozent 2020 auf unter 30 Prozent 2024 gefallen. VW-Chef Oliver Blume sprach in diesem Zusammenhang von einem „Weckruf".

Die EU hat im Oktober 2024 Ausgleichszölle zwischen 7 und 35 Prozent gegen chinesische Elektroautos verhängt – mit der Begründung, die chinesische Subventionspolitik verzerre den Wettbewerb. China reagierte mit Gegenmaßnahmen: Zölle auf europäische Schweinefleisch- und Spirituosen-Importe. Der Konflikt zeigt, wie sehr die globale Automobilindustrie inzwischen Schauplatz einer handelspolitischen Auseinandersetzung geworden ist.

Was die Reportage 2017 als Ausblick zeigt, ist heute Realität. Die Frage ist nicht mehr, ob chinesische Autobauer Weltklasse erreichen, sondern wie Europa industriepolitisch reagiert – und ob die traditionelle deutsche Stärke beim Verbrenner sich auf die Welt der Software-definierten Elektrofahrzeuge übersetzen lässt.

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