Pekings Kampf um den klügsten Computer: Wie China zur KI-Supermacht aufsteigt
Kein Staat der Welt setzt so entschlossen auf Künstliche Intelligenz wie China. Erstmals seit der industriellen Revolution könnte der Westen eine globale Schlüsseltechnologie nicht dominieren.

Es war eine der ersten umfassenden Bestandsaufnahmen in einem deutschen Leitmedium: Wie weit ist China bei Künstlicher Intelligenz wirklich? Für die Handelsblatt-Beilage Technik der Zukunft habe ich gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus Peking, Düsseldorf und San Francisco recherchiert – und dabei auch Min Wanli getroffen, den Forschungschef von Alibaba.
Worum es geht
China hat 2017 zur Staatsdoktrin erhoben, was sich in Peking schon länger abzeichnete: bis 2030 zur weltweit führenden KI-Macht aufzusteigen. Der Plan ist mit Geld unterlegt – allein 2017 kamen 48 Prozent des weltweiten KI-Investments aus China, nur 38 Prozent aus den USA. Die Reportage zeichnet nach, wie Staat und Konzerne Hand in Hand am selben Ziel arbeiten.
Die Kernaussage
„Wir sind entschlossen, einer der dominanten Spieler zu werden” – mit diesem Satz fasst Min Wanli, ehemals Google-Forscher, heute KI-Chef bei Alibaba, im Handelsblatt-Interview den chinesischen Anspruch zusammen. Es ist kein Wunsch, es ist ein Plan mit Etappenzielen, Subventionen und nationaler Aufgabenverteilung.
Chinas Vorteile
Vier Faktoren machen das Land im globalen KI-Rennen so stark:
- Daten in unbegrenzter Menge – mehr als 800 Millionen Onlinenutzer, kaum Datenschutzbedenken
- Politische Priorität – KI ist Chefsache, vom Staatspräsidenten bis zum Bürgermeister
- Konzertierte Industrie – Baidu (autonomes Fahren), Alibaba (Smart Cities), Tencent (Gesundheit), iFlytek (Spracherkennung) haben als „National Team” feste Aufgaben
- Investitionsvolumen – Jährlich Milliarden, oft staatlich flankiert
Wo China hinterherhängt: Halbleiter (USA kontrollieren rund die Hälfte der Weltproduktion, China nur vier Prozent) und Grundlagenforschung. Beides versucht das Land mit Tempo aufzuholen, unter anderem durch eigene Entwicklungszentren im Silicon Valley.
Min Wanli und Alibabas „ET Brain”
Min Wanli wurde in China als Wunderkind hofiert, ging in die USA, arbeitete für IBM und Google, kehrte zurück und treibt seit fünf Jahren KI bei Alibaba voran. Sein Programm „ET Brain” verspricht Effizienzgewinne in der Solarproduktion, der Verkehrssteuerung, im Recycling. Damals war er ständig in Europa unterwegs, um deutsche Industriekunden für Alibabas Cloud-Dienste zu gewinnen.
Was daraus wurde
Vieles, was die Reportage 2018 als Trend beschrieb, ist heute Realität. Chinas KI-Industrie ist weiter gewachsen, hat eigene Modelle hervorgebracht – DeepSeek hat 2025 demonstriert, wie sehr sich die Verhältnisse verschoben haben. Min Wanli ist später aus seiner Rolle bei Alibaba ausgeschieden. Seine These vom „Wettlauf um den Standard” hält: Welches Land die Maßstäbe setzt, prägt damit auch die Wirtschaft der nächsten Jahrzehnte.
Die Titelgeschichte zur Technik der Zukunft-Beilage ist auf 754 Druckzeilen erschienen – die ersten Absätze stehen unten in der Print-Box, der vollständige Text auf handelsblatt.com.