Zu Besuch bei der größten schwimmenden Solaranlage
In einem Stausee auf einem alten Kohlekraftwerk hat eine chinesische Firma ein schwimmendes Solarkraftwerk der Superlative errichtet.
In einem Stausee auf einem alten Kohlekraftwerk hat eine chinesische Firma ein schwimmendes Solarkraftwerk der Superlative errichtet. Handelsblatt-Korrespondent Stephan Scheuer hat die Anlage in einem Boot besucht.
Hintergrund
Die besuchte Anlage in Huainan in der Provinz Anhui war 2017 mit 40 Megawatt Leistung die weltgrößte schwimmende Solarfarm – errichtet auf einem gefluteten ehemaligen Kohletagebau. Das Motiv dafür ist doppelt plakativ: Auf einer Fläche, die durch den Abbau fossiler Energie verwüstet wurde, entsteht nun erneuerbare Stromerzeugung.
Die Anlage steht exemplarisch für Chinas paradoxen Umgang mit fossilen und erneuerbaren Energien. Das Land ist mit Abstand der größte CO₂-Emittent der Welt und baut weiterhin Kohlekraftwerke zu. Gleichzeitig installiert kein Staat so viel erneuerbare Kapazität wie China. 2023 kamen in der Volksrepublik rund 216 Gigawatt an Solarleistung dazu – mehr als die weltweite Solarkapazität des Jahres 2016.
Bei der Produktion ist die Dominanz noch klarer: Über 80 Prozent der weltweit gefertigten Solarmodule stammen aus China. Hersteller wie Longi, Trina Solar und Jinko Solar haben die internationale Konkurrenz über Jahre systematisch unterboten – gestützt durch staatliche Subventionen, günstige Kredite und einen immensen Heimatmarkt. Europäische Hersteller wie Meyer Burger oder SolarWorld sind diesem Preisdruck in den vergangenen zehn Jahren weitgehend erlegen.
Die Folgen reichen bis in die aktuelle Politik. Die EU-Kommission prüft seit 2024, ob chinesische Solarhersteller von unzulässigen Subventionen profitieren; gleichzeitig warnt die deutsche Solarbranche vor Importen aus Xinjiang, wo Zwangsarbeit dokumentiert wurde. Die Balance zwischen Klimaschutz (günstiger Ausbau) und industrieller Souveränität (eigene Produktion) ist zu einer der schwierigsten europäischen Energie-Fragen geworden.
Für Huainan und die Region gilt: Die Anlage aus der Reportage wurde inzwischen von mehreren größeren schwimmenden Solarfarmen weltweit überholt – vor allem in Indien, Thailand und China selbst. Das Prinzip aber – Solaranlagen auf ehemaligen Industrieflächen und Wasserreservoirs – hat sich als eine der kosteneffizientesten Formen des Solarausbaus etabliert.