Die Huawei-Connection: Wie die Telekom immer abhängiger von China wurde
Sicherheitsbehörden warnten früh vor der Abhängigkeit von Huawei. Telekom-CEO Timotheus Höttges forcierte die Partnerschaft mit den Chinesen trotzdem.

Warum dieser Artikel zählt
Während Sicherheitsbehörden öffentlich vor Huawei warnten, baute die Deutsche Telekom im Hintergrund die engste Partnerschaft aus, die je ein deutscher Großkonzern mit einem chinesischen Technologieanbieter geknüpft hat. Das Handelsblatt hat interne Dokumente, Protokolle und Briefings aus vier Jahren ausgewertet. Sie zeigen: Konzernchef Timotheus Höttges hat die Zusammenarbeit mit Huawei selbst dann vorangetrieben, als der Bundesnachrichtendienst bereits vor Risiken warnte. Der Fall wirft Fragen auf, die weit über Telekom-Bilanzen hinausreichen.
Das CEO-Meeting in der Pandemie
Im Februar 2020 traf sich Adel Al-Saleh, Vorstand der Telekom-Tochter T-Systems, per Video mit Eric Xu, dem Chairman von Huawei. Wuhan war wegen Corona abgeriegelt, das erste Virus-Todesopfer in Europa gemeldet. Das Meeting drehte sich um die Open Telekom Cloud – ein Angebot, das der Telekom mit dem Versprechen des höchsten Datenschutzes vermarktet wird. Technisches Rückgrat: Huawei. Die Agenda: Zusammenarbeit vertiefen, Wachstum sichern. Die Bedenken der Sicherheitsbehörden spielten keine sichtbare Rolle.
Wo die Telekom auf Huawei setzt
Vier Felder zeigen das Ausmaß der Verflechtung: die Cloud-Plattform OTC, der 5G-Netzausbau, das Breitbandgeschäft und Fernsehangebote. Überall ist Huawei als Zulieferer präsent, in manchen Bereichen sogar als Technologiepartner mit eigenem Anteil an der Entwicklung. Die Telekom widerspricht dem Eindruck einer großen Abhängigkeit. „Der Anteil chinesischer Hersteller beläuft sich auf gerade einmal 25 Prozent“, heißt es aus dem Konzern. Doch die Rechnung wirkt nach innen anders als nach außen kommuniziert.
Der politische Konflikt
Die Bundesregierung war in der Huawei-Frage gespalten. Wirtschaftsministerium, Kanzleramt und Innenministerium wollten Huawei nicht pauschal ausschließen. Auswärtiges Amt und BND warnten. Diese Uneinigkeit ließ der Telekom Spielraum. Sie nutzte ihn konsequent. Heute stellt sich die Frage, ob die deutsche Infrastruktur in Schlüsselbereichen von einem Anbieter abhängt, der im geopolitischen Konflikt zwischen USA und China steht. Die Antwort wird die nächste Bundesregierung zu geben haben – nicht mehr die Telekom allein.
Die ganze Geschichte habe ich zusammen mit Moritz Koch und Sönke Iwersen für das Handelsblatt aufgeschrieben. Hier bekommen Sie einen ersten Eindruck.