Asiens E-Scooter auf dem Vormarsch in Europa

In Asien sind Millionen von Menschen mit Elektroscootern unterwegs. Sie sind günstig und bequem. Jetzt wollen zwei Startups den Geräten auch in Europa zum

In Asien sind Millionen von Menschen mit Elektroscootern unterwegs. Sie sind günstig und bequem. Jetzt wollen zwei Startups den Geräten auch in Europa zum Durchbruch verhelfen. Handelsblatt-Korrespondent Stephan Scheuer hat die Firmenzentrale des Anbieters Gogoro besucht.


Hintergrund

Die Reportage entstand, als asiatische E-Scooter-Hersteller ihren Vormarsch in Europa begannen. Der Markt hatte zwei Ebenen: Die Scooter-Sharing-Marken Bird und Lime aus den USA schossen ab 2017 wie Pilze aus dem Boden. Die Hardware kam allerdings zum großen Teil aus China – vor allem vom Pekinger Hersteller Ninebot, der 2015 den Segway-Erfinder Dean Kamen in den USA übernommen hatte und seither zum größten Anbieter der Branche aufstieg.

Der Sharing-Boom erreichte 2019 seinen Höhepunkt. In Dutzenden europäischer Städte rollten Tausende von Rollern, oft mehrere konkurrierende Anbieter parallel. Die Investitionen der Sharing-Firmen überstiegen zeitweise mehrere Milliarden Dollar. Doch das Betriebsmodell erwies sich als schwierig: hohe Abnutzung, Diebstahl, Vandalismus, Regulierungsstreit mit Städten.

Seither hat sich der europäische Markt konsolidiert. Die großen Sharing-Anbieter Tier, Voi, Dott und Bird haben mehrfach fusioniert oder Standorte geschlossen. Tier übernahm 2022 Dott, Lime fusionierte 2024 mit einem weiteren Anbieter. Die Zahl der Städte, in denen Sharing-Scooter angeboten werden, ist in vielen Ländern drastisch geschrumpft.

Paris verbot die Sharing-Scooter 2023 nach einem Bürgerentscheid mit 89 Prozent Zustimmung komplett. Andere Städte wie Madrid, Marseille, Kopenhagen und Melbourne folgten mit Einschränkungen oder Verboten. Die Gründe waren Bürgerbeschwerden über chaotisch abgestellte Roller, Unfallzahlen und fehlende wirtschaftliche Resonanz.

Was sich demgegenüber stabilisiert hat, ist der private Besitz von E-Scootern. Die Zahl der verkauften Geräte stieg in Deutschland von rund 160.000 im Jahr 2021 auf über 500.000 pro Jahr bis 2024. Die Hardware stammt weiterhin überwiegend aus chinesischer Fertigung – Ninebot, Xiaomi und eine wachsende Zahl kleinerer Marken decken den Markt ab.

Für Chinas Exportstrategie ist das ein typisches Muster: Die Märkte entwickeln sich international in unvorhergesehener Weise – in diesem Fall verschoben sich die Umsätze vom Sharing zum Privatbesitz – aber die chinesische Industrie sitzt so oder so in der Lieferkette. Ob die Städte am Ende Sharing-Modelle erlauben oder nicht, spielt für die Produktion in Peking oder Shenzhen nur eine untergeordnete Rolle.

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