Die Telekom wagt eine teure Wette auf die Zukunft
Im vergangenen Jahr fuhr der Bonner Dax-Konzern Rekorde ein. Doch parallel zu Umsatz und Gewinn wachsen bei der Telekom die Schulden und Risiken.

Warum dieser Artikel zählt
81 Milliarden Euro Umsatz, 3,9 Milliarden Euro Konzernüberschuss, ein Gewinnsprung von 79 Prozent. 2019 war das erfolgreichste Jahr der Telekom-Geschichte. Konzernchef Timotheus Höttges spricht von einem „historischen Tag“, John Legere verabschiedet sich aus den USA mit „What a Wonderful World“. Die Zahlen sind beeindruckend. Und doch liegen hinter dem Rekord zwei Schwachstellen, die der Bilanzcheck 2020 offenlegt: wachsende Schulden und eine riskante US-Integration.
Die US-Wette
Nichts war für die Telekom wichtiger als das US-Geschäft – und nichts ist riskanter. Nach zwei Jahren zäher Verhandlungen gelang der Zusammenschluss von T-Mobile US mit dem Wettbewerber Sprint. Die Fusion wurde zum 1. April 2020 vollzogen und taucht in der 2019er-Bilanz noch gar nicht auf. Aber sie prägt die Strategie. Der US-Umsatz stieg 2019 um elf Prozent auf 40 Milliarden Euro, das operative Ergebnis um zehn Prozent auf elf Milliarden. Mehr als die Hälfte des Konzernumsatzes kommt bereits aus Nordamerika.
Das Schuldenproblem
Der Preis dafür ist hoch. Um die Sprint-Übernahme zu finanzieren, hat sich die Telekom massiv verschuldet. Die Integration der beiden Mobilfunkkonzerne wird Jahre dauern und Milliarden verschlingen. Gleichzeitig muss in Deutschland in Glasfaser und 5G investiert werden. Die Cashflows der nächsten Jahre sind bereits verplant. Dividendenerhöhungen werden schwierig, der Handlungsspielraum für Zukäufe oder strategische Überraschungen schrumpft.
Was Anleger wissen müssen
Höttges wettet auf die USA. Wenn die Sprint-Integration gelingt und T-Mobile US an der Wall Street weiter steigt, wird aus der Wette ein Triumph. Wenn sie scheitert, steht die Telekom vor einer schwierigen Jahrzehntdekade. 2020 ist der Punkt, an dem das Risiko am größten und der erhoffte Ertrag noch nicht sichtbar ist. Für Aktionäre bedeutet das: Geduld mitbringen – oder eine andere Aktie kaufen.
Den vollständigen Text habe ich für das Handelsblatt geschrieben. Hier bekommen Sie einen ersten Eindruck.