Der falsche Weg zum Glasfaseranschluss
EU-Kommission und Bundesnetzagentur wollen Millionen Haushalten den DSL-Anschluss abschalten, um Glasfaser zu erzwingen. Warum das ein fataler Eingriff in einen funktionierenden Markt ist.

In Deutschland könnten bald Millionen von Haushalten der DSL-Anschluss abgeschaltet werden. Der Hintergrund: Sie sollen zum Umstieg auf Glasfaser gezwungen werden. Ich halte das für den falschen Weg.
EU-Kommission und Bundesnetzagentur bereiten vor, das klassische DSL-Kupfernetz schrittweise abzuschalten. Der Umstieg auf Glasfaser soll so beschleunigt werden. Was als Modernisierung verkauft wird, ist in Wahrheit ein fataler Eingriff in einen funktionierenden Markt.
Mit der Abschaltung des Kupfernetzes hebelt der Staat gleich zwei Marktmechanismen aus. Erstens verschwindet der direkte Infrastrukturwettbewerb zwischen Kupfer und Glasfaser. Zweitens wird den Verbrauchern ein Produkt entzogen, das ihren Bedarf weiterhin erfüllt.
Viele Haushalte kommen mit 100 oder 250 Megabit pro Sekunde als Internetgeschwindigkeiten problemlos aus. Wenn Kunden nicht wechseln, ist das kein Marktversagen, sondern ein Preissignal. Glasfasertarife sind oft zu teuer. Der Mehrwert erschließt sich dem Endverbraucher nicht.
Der Glasfaserausbau scheitert nicht am Kupfernetz, sondern an fehlender Nachfrage. Wer das Alte verbietet, macht das Neue nicht automatisch attraktiv.
Auf dem deutschen Glasfasermarkt sind mehr als 200 Anbieter aktiv. Einige von ihnen haben sich übernommen. Wenn Endkunden nun per Regulierung aus dem Kupfernetz gedrängt werden sollen, um teurere Glasfasertarife durchzusetzen, ist das weniger Innovationspolitik als unternehmerische Hilflosigkeit. Wer kein überzeugendes Angebot hat, verbietet die Alternative – ein Reflex aus der Planwirtschaft.
Für viele kleinere Anbieter ist es bequem, die Telekom zum Bösewicht zu erklären. Doch damit machen sie es sich zu einfach. Oft ist es ihnen schlicht nicht gelungen, Endkunden von ihren Produkten zu überzeugen.
Besonders schief ist die Kritik am Vectoring, einer Technik zur Verbesserung der Internetgeschwindigkeit in bestehenden Kupfernetzen. Die Telekom habe DSL beschleunigt und damit den Glasfaserumstieg verzögert, lautet der Vorwurf. Tatsächlich hat Vectoring dafür gesorgt, dass in der Fläche leistungsfähige Internetanschlüsse verfügbar wurden. Es war die digitale Lebensader während der Coronapandemie. Vectoring war nicht das Problem, es war die Lösung.
Dass die milliardenschweren Investitionen der Telekom jetzt regulatorisch entwertet werden könnten, sendet zudem ein fatales Signal an den Investitionsstandort Deutschland. Vectoring war keine Fehlentscheidung, sondern eine rationale Antwort auf Nachfrage, Kosten und technische Realitäten vor Ort.