Weltwirtschaftsforum Davos 2020

50 Jahre WEF, Greta Thunberg gegen Donald Trump, Tech-Konzerne, die Regulierung fordern – und ein Virus, dessen Tragweite in Davos noch niemand abschätzt.

Weltwirtschaftsforum Davos 2020
Bild: KI-generiertes Symbolbild

Das Weltwirtschaftsforum in Davos ist 2020 ein Jubiläum: Zum 50. Mal treffen sich Staatschefs, Konzernlenker und Wissenschaftlerinnen in der Schweizer Alpengemeinde. Was in der Woche vom 20. bis 24. Januar noch niemand absehen konnte: Es wird das letzte große Präsenz-WEF vor der Corona-Pandemie sein. Aus der chinesischen Stadt Wuhan dringen zwar bereits Meldungen über ein neues Virus nach Davos, doch die Tragweite unterschätzen fast alle Gäste.

Das dominierende Thema in den Konferenzräumen ist ein anderes: Klima. Die damals 17-jährige Greta Thunberg reist mit einer Delegation junger Aktivistinnen und Aktivisten an – und setzt die Agenda so wirkungsvoll, dass selbst der Auftritt von US-Präsident Donald Trump in den Hintergrund rückt. Ihr Mantra „Our house is on fire” prägt die Schlagzeilen stärker als Trumps provokanter Gegenauftritt, der die Klimadebatte vor Hunderten Journalistinnen und Journalisten als „Katastrophismus” abzutun versucht.

Parallel verschiebt sich in Davos die Debatte um die Tech-Branche. Konzerne wie Microsoft, Google oder Salesforce fordern erstmals offensiv mehr Regulierung – insbesondere für Künstliche Intelligenz. Was lange als Lippenbekenntnis galt, wird zum strategischen Manöver: Lieber jetzt mitgestalten, als später von Brüssel oder Washington Regeln aufgezwungen zu bekommen. Meine Eindrücke habe ich in dem folgenden Handelsblatt Video-Blog verdichtet.

Die Woche beginnt bei Temperaturen deutlich unter minus zehn Grad. Es sind oft die kleinen Dinge – ein wärmender Handschuh, die richtige Route zwischen zwei Hotels, ein freier Tisch in einem Restaurant, das nicht gerade von einem Konzern zur Marken-Ausstellungsfläche umgebaut wurde –, die hier den Unterschied zwischen einem produktiven und einem verlorenen Tag machen. Für das Handelsblatt habe ich in diesen Tagen vor Ort einen Video-Blog geführt – kurze Szenen, die den besonderen Charakter dieser Woche einfangen.

Eine dieser Szenen: der Selbstversuch mit einem Deepfake-Generator, den ein Start-up auf dem Promenadenstrand präsentiert. Das Ergebnis ist verstörend realistisch – und wirft die Frage auf, welchen bewegten Bildern wir künftig überhaupt noch trauen können. Fünf Jahre später, mit Blick auf den Wahlkampf in den USA und den Einsatz generativer KI im Desinformationsgeschäft, wirken diese Szenen von damals fast wie eine Vorschau.

Die vier Videos in dieser Sammlung sind Ausschnitte aus dieser Woche: der Auftakt, der Greta-Moment, die Ökonomie der Davoser Werbeflächen und der Deepfake-Test. Zusammen zeigen sie ein WEF, das rückblickend einen Wendepunkt markiert – zwischen dem alten Globalisierungs-Optimismus und dem, was in den folgenden Monaten kommen sollte.

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