Zwei Satelliten gegen Starlink: Wie SES Musks Weltraum-Netz angreift
Am Weltraumbahnhof in Cape Canaveral startet Europas Antwort auf Elon Musks Starlink – mit einer komplett anderen Architektur. Was der Raketenstart für Microsoft, Kreuzfahrtschiffe und eine Insel im Südpazifik bedeutet.

Warum dieser Artikel zählt
Im Satelliten-Internet ist Elon Musk derzeit kaum einzuholen. Starlink hat Ende 2022 bereits über 3.000 Satelliten in der erdnahen Umlaufbahn, langfristig sollen es 40.000 werden. Amazon plant sein eigenes Netz unter dem Namen Kuiper. Was dabei oft übersehen wird: Es gibt ein europäisches Unternehmen, das bereits heute ein weltweites Satelliten-Internet betreibt – mit einer grundsätzlich anderen Architektur.
Zwei Welten im Orbit
Die luxemburgische SES setzt nicht auf Masse, sondern auf Höhe. Während Starlink-Satelliten in 500 bis 1.200 Kilometern Höhe kreisen, fliegen die neuen O3b-mPower-Satelliten von SES in rund 8.000 Kilometern. Das macht einen großen Unterschied: Statt Tausender kleiner Satelliten reichen sechs große, um die Erde abzudecken. Für Boeing-Managerin Michelle Parker, die das System entwickelt hat, ist das auch eine Antwort auf die steigende Sorge vor Weltraumschrott.
Wer auf SES setzt
Die Kunden sind andere als bei Starlink. Statt Privatnutzer mit Antennenschüssel im Garten setzt SES auf Unternehmen, die hohe Bandbreiten und vor allem Ausfallsicherheit brauchen. Microsoft zählt dazu – der Konzern nutzt SES, um seine globale Cloud-Infrastruktur abzusichern. Kreuzfahrtschiffe wie die von Princess Cruises bekommen Gigabit-Geschwindigkeiten auf hoher See. Und auf den Cook Islands im Südpazifik wird SES zur Rettung, nachdem gleich zwei Mal die Unterseekabel des benachbarten Tonga gerissen sind – einmal durch einen Schiffsanker, einmal durch einen Vulkanausbruch.
Warum der Start wichtig ist
Starlink leidet bereits unter seinem eigenen Erfolg: Je mehr Nutzer, desto niedriger die Bandbreite – in den USA sank sie laut Analysefirma Ookla um 17 Prozent innerhalb eines Quartals. SES verspricht mit den neuen Satelliten Downloadraten bis zehn Gigabit pro Sekunde und eine Latenz, die mit Glasfaser vergleichbar ist. Rund die Hälfte der künftigen Kunden, so prognostiziert SES-Chef Steve Collar, werden Regierungen sein.
Den Raketenstart habe ich in Cape Canaveral vor Ort verfolgt. Den vollständigen Text mit allen technischen Details, Kundenstimmen und der Einordnung in das weltweite Satelliten-Rennen habe ich für das Handelsblatt geschrieben. Hier bekommen Sie einen ersten Eindruck.