Glasfaserausbau am Kipppunkt
Zurück in Deutschland sehe ich: Die Zeit des Goldrausches im Glasfaserausbau ist vorbei. Was das für Haushalte und Unternehmen bedeutet und warum manche Netze nie fertiggestellt werden.

Seit ich aus San Francisco zurück bin, schaue ich wieder intensiver auf den Infrastrukturausbau in Deutschland und Europa. Und mein Eindruck ist klar: Wir sind an einem Kipppunkt angekommen.
🧵 Genau deshalb widmen wir uns im Handelsblatt heute auf der Titelseite dem Glasfaserausbau.
In der Niedrigzinsphase sind unglaublich viele Anbieter in den Markt eingestiegen. Selbst geringe Renditen galten als attraktiv – schließlich kann ein Glasfasernetz über Jahrzehnte, vielleicht 100 Jahre, genutzt werden. Wer einmal baut, dem winken relativ stabile Einnahmen.
📊 Heute wird die Branche auf rund 280 Anbieter geschätzt. Darunter sind sehr gute Firmen – aber auch viele, die das Geschäft unterschätzt und sich finanziell verhoben haben. Gescheiterte oder kriselnde Projekte hat es schon früher gegeben.
⚠️ Neu ist jedoch: Jetzt gerät ausgerechnet eines der Vorzeigeunternehmen ins Straucheln.
Die Deutsche Glasfaser Unternehmensgruppe hat ihre Ausbauziele nahezu halbiert. Nach unseren Recherchen könnte sie in zwei Jahren den weiteren Netzausbau sogar ganz stoppen. Das ist eine dramatische Entwicklung – denn der Ausbau war ihre Kernkompetenz.
Statt neue Netze zu bauen, will sich das Unternehmen künftig darauf konzentrieren, dort Kunden zu gewinnen, wo das Netz bereits liegt. Das ist nachvollziehbar – aber es ersetzt nicht die Rolle, die Deutsche Glasfaser jahrelang für den Ausbau gespielt hat.
🔧 Der einzige Konzern, der den Glasfaserausbau derzeit noch im großen Stil vorantreibt, ist die Deutsche Telekom.
Mit der Glasfaserfabrik hat sie industrielle Maßstäbe gesetzt – ein Verdienst des früheren Deutschlandchefs Srini Gopalan , der ähnliche Ideen inzwischen auch in den USA umsetzt. Das ist zunächst eine gute Nachricht: Ohne die Telekom würden die Ausbauziele in Deutschland noch stärker ins Rutschen geraten.
❗ Gleichzeitig entsteht hier das Netz der Zukunft. Und genau deshalb müssen wir höllisch aufpassen, nicht in neue regionale Monopole zu schlittern.
Die gesamte Geschichte von Jakob Blume – inklusive Analyse und Kommentar – ist im Handelsblatt erschienen.