Die Kabel der Macht: Europas digitale Zukunft wird am Meeresboden entschieden

Amazon, Google und Meta dominieren nicht nur die Cloud, sondern auch die Kommunikationsadern der EU. Die Monopolkommission warnt vor einer strukturellen Abhängigkeit.

Die Kabel der Macht: Europas digitale Zukunft wird am Meeresboden entschieden
Bild: KI-generiertes Symbolbild

Warum dieser Artikel zählt

Wenn Menschen an europäische Souveränität denken, fällt ihnen Cloud ein, vielleicht Chips, vielleicht KI-Modelle. Fast nie fallen ihnen Kabel auf dem Meeresgrund ein. Dabei läuft dort 90 Prozent des transatlantischen Datenverkehrs – und die Leitungen werden zunehmend von Amazon, Google und Meta finanziert, gebaut oder kontrolliert. Die Monopolkommission warnt in einem neuen Gutachten erstmals vor einer strukturellen Abhängigkeit Deutschlands auf dem Meeresboden. Es ist ein blinder Fleck, der gefährlich wird.

Der Weckruf in der Ostsee

Auf dem Grund der Ostsee liegt „Cinia C-Lion 1“, seit 2016 eine Datenautobahn zwischen Helsinki und Rostock. Mehr als 1.000 Kilometer lang, in eine Schneise im Meeresboden eingebettet. Im November 2024 wurde das Kabel durchtrennt. Kurz darauf fiel eine zweite Leitung aus, die Verbindung von Gotland nach Litauen. Der Datenverkehr konnte umgeleitet werden. Die sicherheitspolitische Frage aber bleibt: Was, wenn es sich um Sabotage handelte?

Warum die Abhängigkeit ein Problem ist

„Die EU hat das Thema lange nicht mit der notwendigen Aufmerksamkeit verfolgt“, sagt Tomaso Duso, der Vorsitzende der Monopolkommission. Das Gutachten zeichnet nach, wie wenige Akteure die Kabelinfrastruktur inzwischen dominieren. Während früher Telekom-Konzerne als Konsortium in Kabel investierten, sind es heute die US-Hyperscaler, die eigene Verbindungen bauen, weil sie sie für ihre Cloud-Strategien brauchen. Europa kann nur mitfinanzieren – oder zuschauen.

Was jetzt nötig ist

Duso und sein Gremium fordern eine europäische Strategie: mehr Redundanz, mehr eigene Investitionen, klare Sicherheitsstandards für Kabelbetreiber. Die NATO hat eine Überwachungsmission in der Ostsee gestartet, Deutschland beteiligt sich mit einer Fregatte. Aber die strukturelle Abhängigkeit lässt sich nicht mit Überwachung allein lösen. Sie lässt sich nur durch eigene Infrastruktur auflösen – und die braucht Jahre.

Die ganze Geschichte habe ich zusammen mit Josefine Fokuhl für das Handelsblatt aufgeschrieben. Hier bekommen Sie einen ersten Eindruck.

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