Googles KI verändert die Machtbalance im Netz – das sind die größten Verlierer

Wenn Google die Antwort gleich selbst liefert, klicken Nutzer seltener auf die Angebote dahinter. Eine exklusive Auswertung zeigt, für wen das Risiko am größten ist.

Googles KI verändert die Machtbalance im Netz – das sind die größten Verlierer
Bild: KI-generiertes Symbolbild

Warum dieser Artikel zählt

Über Jahrzehnte galt im Netz eine einfache Regel: Wer bei Google oben steht, ist sichtbar. Diese Ordnung kippt gerade. Der US-Konzern baut seine Suchmaschine mit rasantem Tempo um. KI-Zusammenfassungen ersetzen klassische Ergebnisse. Wer die Antwort liefert, bekommt den Traffic – und das ist zunehmend Google selbst. Exklusive Daten der Analysefirma Similarweb zeigen, wie stark der Anteil jener Nutzer gestiegen ist, die nach einer Suche nicht mehr auf einen weiterführenden Link klicken.

Wer verliert

In den USA ist der Google-Traffic vieler Nachrichtenseiten bereits eingebrochen. Business Insider hat Entlassungen verkündet, andere Portale verlieren Millionen Zugriffe pro Monat. Der Anteil der Nutzer, die nach KI-Zusammenfassungen nicht mehr weiterklicken, liegt bei US-Medien teilweise mehr als zehn Prozentpunkte über dem Wert der klassischen Suche. Der alte Deal „Inhalte gegen Reichweite“ droht zu kippen. Auch in Deutschland mehren sich die Anzeichen, dass sich diese Entwicklung wiederholt.

Warum der Eingriff systemisch ist

Was Google gerade tut, ist keine technische Feinjustierung, sondern eine strukturelle Verschiebung. Wenn Suchmaschinen zu Antwortmaschinen werden, ändert sich die Ökonomie des Netzes. Medien haben jahrzehntelang Inhalte produziert, weil Reichweite über Suche monetarisierbar war. Fällt diese Brücke weg, bleibt die Frage, wie Journalismus, Produktratgeber, Foren, Nischenportale künftig finanziert werden – und wer die Daten liefert, von denen die KI-Systeme leben.

Was Regulierung tun könnte

Ausgerechnet jetzt erwägt die EU, zentrale Vorgaben des Digital Markets Act aufzuweichen – aus Angst vor US-Strafzöllen. Dabei sollte das Gesetz die Macht der Tech-Giganten begrenzen. In Großbritannien hat ein Verlegerverband bereits Beschwerde gegen Googles KI-Zusammenfassungen bei der EU-Kommission eingereicht. Der Kipppunkt steht unmittelbar bevor. Wer ihn verschiebt, verliert die Grundlage eines freien Internets mit vielen Stimmen.

Die ganze Geschichte habe ich zusammen mit Philipp Alvares de Souza Soares für das Handelsblatt aufgeschrieben. Hier bekommen Sie einen ersten Eindruck.

Mehr zu Künstliche Intelligenz

Alle Recherchen