Ein Flugzeug aus Hausmüll? Ein Startup macht das möglich
Handelsblatt-Korrespondent Stephan Scheuer ist bei der Firma Miniwiz in Taiwan. Dort ist alles aus Müll: Die Wände,
Handelsblatt-Korrespondent Stephan Scheuer ist bei der Firma Miniwiz in Taiwan. Dort ist alles aus Müll: Die Wände, die Stühle und selbst ein Flugzeug soll komplett aus Müll gebaut werden. Jetzt expandiert das Start-up nach Deutschland.
Hintergrund
Die Reportage porträtiert eines von vielen chinesischen Start-ups, die in den Jahren 2015 bis 2018 versuchten, klassische Umweltprobleme mit technologischen Mitteln zu adressieren – hier: die Umwandlung von Hausabfall in verwertbare Kraftstoffe. Ähnliche Ansätze werden weltweit verfolgt (Enerkem in Kanada, Fulcrum BioEnergy in den USA), sind aber bislang selten industriell durchgebrochen. Die Komplexität der chemischen Prozesse und die Schwankung der Rohstoffqualität machen ein profitables Betriebsmodell schwierig.
Chinas Müllproblem bleibt gewaltig. Das Land produzierte 2020 über 300 Millionen Tonnen Siedlungsabfall pro Jahr – fast ein Viertel des weltweiten Aufkommens. Als Antwort hat Peking 2019 in Shanghai eine verpflichtende Mülltrennung eingeführt, die in den Folgejahren auf weitere Großstädte ausgeweitet wurde. Die Durchsetzung verlief mit einiger Härte: Nachbarschaftskomitees kontrollierten, wer wann was in welche Tonne wirft; bei Verstößen drohten Bußgelder.
Müllverbrennung mit Energiegewinnung (Waste-to-Energy) spielt inzwischen eine bedeutende Rolle. China hat die weltweit größte Kapazität solcher Anlagen – gemessen an verarbeiteten Tonnen übertrifft sie Europa und die USA zusammen. Betreiber sind häufig staatsnahe Konzerne oder Unternehmen wie China Everbright International. Kritik kommt von Umweltschutzgruppen, die auf Luftverschmutzung und schwer zu kontrollierende Dioxin-Emissionen verweisen.
Für Start-ups wie das in der Reportage porträtierte gilt dasselbe Grundmuster wie für viele chinesische Innovatoren: Der Heimatmarkt ist enorm, die staatliche Rückendeckung potenziell stark, der Wettbewerbsdruck aber ebenfalls hoch. Manche dieser Firmen konnten sich etablieren, andere scheiterten an der Lückenhaftigkeit der Recycling-Infrastruktur. Der übergeordnete Trend ist klar: China investiert massiv in Kreislaufwirtschaft – aber die Lösung eines Problems von solcher Größenordnung bleibt eine Generationenaufgabe.