Neuer Telefonica-Chef will Konzern verschlanken, in Europa investieren und in Deutschland Tempo machen
Marc Murtra spricht wenige Monate nach seinem Amtsantritt über den Kurswechsel bei Telefónica. Der neue CEO des spanischen Telekomkonzerns denkt europäisch – hadert aber mit der deutschen Bürokratie.

Wohin steuert Telefónica?
Gemeinsam mit meiner Kollegin Sandra Louven habe ich einen Blick hinter die Kulissen des einst mächtigen Telekom-Giganten geworfen. In Madrid traf Sandra den neuen CEO Marc Murtra – ganz ohne PR-Show, dafür mit offenem Blick auf die Herausforderungen.
Ein Konzern im Umbruch. Telefónica kämpft an vielen Fronten: In Europa fehlt eine klare Vision. In Deutschland verliert man mit 1&1 einen wichtigen Partner – 12 Millionen Kunden wechseln zu Vodafone. In Lateinamerika steht ein Rückzug bevor – nur Brasilien bleibt strategisch gesetzt.
Politischer Druck, interne Machtspiele. Murtras Aufstieg war ungewöhnlich – sein Vorgänger wurde abgesägt, seine Berufung erfolgte wohl auf Druck der spanischen Regierung. Eine Hypothek, die schwer wiegen könnte.
Im Gespräch äußert sich Murtra frustriert über langsame Genehmigungen und die mangelnde Glasfaserabdeckung hierzulande. Telefónica baut – aber deutlich weniger als die Deutsche Telekom mit ihren zwei Millionen Anschlüssen jährlich.
Konsolidierung à la USA? Murtra bringt eine brisante Zahl ins Spiel: Europa sollte seiner Meinung nach künftig von nur drei großen Telcos dominiert werden – ähnlich wie in den USA. Ein Gedanke, der den Markt grundlegend verändern würde. Was bedeutet das für Wettbewerb, Preise und Innovation?