Elon Musk, Starlink und der Angriff auf den Mobilfunk
SpaceX bereitet seinen Börsengang vor. Doch hinter der Raketenfirma steckt inzwischen weit mehr als Raumfahrt. Elon Musk baut mit Starlink an einem Mobilfunkmodell, das Telekom, Verizon und andere unter Druck setzen könnte.
SpaceX bereitet seinen Börsengang vor. Doch hinter der Raketenfirma steckt inzwischen weit mehr als Raumfahrt: Elon Musk baut mit Starlink an einem Mobilfunkmodell, das Telekom, Verizon, Vodafone und andere Netzbetreiber unter Druck setzen könnte.
Der Raumfahrer wird zum Mobilfunkanbieter
Im Jahr 2012 hatte ich die Chance, in Cape Canaveral einen Start von SpaceX zu verfolgen. Eine Rakete von der Größe eines kleinen Hochhauses wurde in die Erdumlaufbahn katapultiert. Später landete die erste Stufe auf einer Plattform im Atlantik. Das war einer dieser Momente, in denen man Technik nicht nur erklärt bekommt, sondern sieht, wozu sie bereits fähig ist.
Seitdem hat SpaceX die Raumfahrt verändert. Raketenstarts wurden häufiger, günstiger und berechenbarer. Doch genau daraus entstand ein neues Problem: Wer sollte all diese Starts buchen? Elon Musk fand die Antwort selbst. Er baute mit Starlink ein Satellitennetz, das zunächst vor allem nach einem Angebot für entlegene Regionen, Schiffe, Flugzeuge und Krisengebiete klang.
Ich habe über viele Jahre die Mobilfunkbranche beobachtet und mit Spitzenmanagern gesprochen. Lange herrschte dort die Überzeugung, Satellitenkommunikation könne allenfalls Lücken schließen. Für Expeditionen, für Notfälle, für Regionen ohne Netz. Aber nicht für den Massenmarkt. Einige verwiesen damals auf Google Loon, jene Ballons, die Internet in abgelegene Weltregionen bringen sollten und scheiterten. Die Botschaft war meist: Das haben schon andere versucht.
Heute sieht die Lage anders aus. Starlink ist kein Experiment mehr. SpaceX hat Raketen, Satelliten, Frequenzen, Kapitalzugang und eine globale Marke. Aus dem Satelliteninternet könnte nun ein direkter Angriff auf den Mobilfunk werden. Genau diese Entwicklung schreckt die Branche auf. Denn auf einmal verschiebt sich das Kräfteverhältnis zwischen den klassischen Netzbetreibern und einem Unternehmen, das nicht am Boden beginnt, sondern aus dem Orbit kommt.
Strategische Recherche: Wie weit reichen die Pläne?
Gemeinsam mit meinem Kollegen Thomas Jahn habe ich in den vergangenen Wochen recherchiert, wie weit diese Pläne reichen. Es geht nicht nur um Funklöcher oder Zusatzdienste für entlegene Gebiete. SpaceX arbeitet an Starlink Mobile, kauft Frequenzen und bereitet sich darauf vor, deutlich näher an die Kundenbeziehung der Mobilfunkanbieter zu rücken. Musk kokettiert sogar damit, eines Tages einen Anbieter wie Verizon kaufen zu können.
Für Unternehmen wie die Deutsche Telekom ist das eine strategische Frage. T-Mobile US war früh Partner von Starlink. Doch ein Partner, der eigene Frequenzen besitzt und eine eigene Mobilfunkmarke aufbaut, kann zum Wettbewerber werden. Telekom-Chef Timotheus Höttges nimmt diese Entwicklung ernst. Bei den jüngsten Quartalszahlen sagte er über Starlink: „If you can’t fight the dragon, ride the dragon.”
Die Geschichte reicht noch weiter. Künstliche Intelligenz braucht Rechenleistung, Strom, Kühlung und Netze. Musk denkt Infrastruktur in Ketten: Raketen, Satelliten, Mobilfunk, Rechenzentren. Dazu gehören auch Pläne für Rechenzentren im All, gespeist von großen Solarpaneelen und gekühlt durch die Kälte des Weltraums. Ob das wirtschaftlich funktioniert, ist offen. Aber die Richtung ist klar: SpaceX baut nicht nur an Raumfahrttechnik, sondern an der Infrastruktur für die nächste digitale Plattform.
Im Handelsblatt widmen wir diesem Thema eine Titelgeschichte. Hier auf meiner Website dokumentiere ich den Einstieg in die Recherche und die ersten Absätze des Artikels. Den vollständigen Text gibt es anschließend beim Handelsblatt.